Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse ist ein im Oberbauch liegendes, etwa 14-20 cm langes und 2-3 cm breites keilförmiges Organ, das eine zentrale Rolle im Stoffwechsel spielt. Die Bauchspeicheldrüse übernimmt zwei wesentliche Aufgaben im Körper:

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  • Exokrin
    Von der Bauchspeicheldrüse werden täglich bis zu drei Liter Sekret (Pankreassaft) mit Verdauungsenzymen exokrin (= nach außen) in den Zwölffingerdarm abgegeben.
  • Endokrin
    Von den Langerhans-Insel-Zellen (Insulae pancreaticae) der Bauchspeicheldrüse werden endokrin(= nach innen) Hormone ins Blut abgegeben.

Der exokrine Anteil macht etwa 98 % der Masse der gesamten Bauchspeicheldrüse aus, der endokrine Anteil beträgt etwa 2 %.

Die Bauchspeicheldrüse liegt quer im Oberbauch, hinter dem Bauchfell zwischen Magen, Zwölffingerdarm, Milz und Leber.

Man unterscheidet den Pankreaskopf, den Pankreaskörper und den Pankreasschwanz, in dem sich vorwiegend endokrine Zellen, die Langerhans-Inseln (Insulae pancreaticae), befinden.

Aufgabe der Bauchspeicheldrüse

  • Exokrin
    Die Enzyme, die die Bauchspeicheldrüse abgibt, werden benötigt, um Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette zu spalten, so dass diese von der Darmschleimhaut aufgenommen werden können.
  • Endokrin
    Die in den Langerhans-Insel-Zellen hergestellten Hormone Insulin und Glucagon regulieren den Blutzuckerspiegel.

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Es kann sowohl der exokrine als auch der endokrine Anteil der Bauchspeicheldrüse erkranken oder eine Fehlbildung vorliegen.

  1. Erkrankung des exokrinen Anteils
    • Pankreatitis
      Die Pankreatitis, die Entzündung der Bauchspeicheldrüse, führt durch die frei werdenden Verdauungsenzyme zu einer Selbstverdauung des Organs.
    • Exokrine Pankreasinsuffizienz
      Bei einer nachlassenden Bildung der Verdauungsenzyme (exokrine Pankreasinsuffizienz) kann die Nahrung nicht mehr ausreichend aufgeschlossen werden.
    • Bauchspeicheldrüsenkrebs
    • Pankreaszysten
    • Mukoviszidose
  2. Erkrankung des endokrinen Anteils
    • Diabetes mellitus
      Die häufigste Störung des endokrinen Anteils ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Weltweit leiden etwa 8,5 % aller Menschen an Diabetes mellitus.
    • Endokrine Tumore des Pankreas
  3. Fehlbildungen
    Während der Entwicklung des Organs kann es zu verschiedenen Fehlbildungen kommen.

Untersuchungsmethoden

Wenn die vom Patienten geschilderten Beschwerden eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse vermuten lassen, nimmt der Arzt weitere Untersuchungen vor bzw. veranlasst sie. Dazu gehören u. a.:

  • Körperliche Untersuchung
  • Blut-, Stuhl- und Urinuntersuchung
  • Sonografie
  • Endosonografie
  • Endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikografie (ERCP)
  • Computertomografie
  • Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie MRT)

Neben dem Hausarzt dient als Ansprechpartner der Gastroenterologe, der Arzt, der sich auf die Erkrankungen des Verdauungsapparates spezialisiert hat.

Risiko

Alkoholkonsum und Rauchen erhöhen das Risiko für eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse. Raucher haben ein etwa 3-mal höheres Risiko, an einem Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, als Nichtraucher. Eine Cholecystolithiasis, ein Gallensteinleiden, erhöht das Risiko für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse.

Geschichte der Bauchspeicheldrüse

Schon im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde das Pankreas nicht nur von Hippokrates, sondern auch von anderen Anatomen und Ärzten sowie in einem baylonischen Talmud beschrieben, auch wenn man damals noch nicht wusste, wofür dieser „Finger der Leber“, wie das Organ noch genannt wurde, gut war.

Im Mittelalter hielt man die Bauchspeicheldrüse „für den Sitz der Melancholie und Hypochondrie und den Hort für wiederkehrendes Fieber.“

In den detailreichen anatomischen Zeichnungen Leonardo da Vincis ist das Organ nicht dargestellt. So stammt die älteste erhaltene Zeichnung der Bauchspeicheldrüse wahrscheinlich von Bartolomeo Eustachi (1520-1572). Allerdings wusste Eustachi noch nichts über die Funktion des Organs. Als Johann Georg Wirsung (1598-1643) einen detaillierten Kupferstich der Bauchspeicheldrüse anfertigte, schickte er Drucke an zahlreiche Anatomen mit der Bitte um Hilfe bei der Interpretation seiner Funktion.

Wirsung entdeckte 1642 einen Gang der Bauchspeicheldrüse, der in den Zwölffingerdarm mündet, den er aber für ein Lymphgefäß des Darmes hielt. Dieser Gang, über den die in der Bauchspeicheldrüse gebildeten Verdauungsenzyme in den Dünndarm gelangen, wurde später nach ihm benannt und heißt heute Ductus pancreatius Wirsungi = Wirsung-Gang oder Ductus Wirsungianus.

Seinen deutschen Namen erhielt das Organ erst 1791 von Samuel Thomas Sömmerring, der das Gebilde analog zu den Mundspeicheldrüsen Bauchspeicheldrüse nannte.

Nachdem die Bauchspeicheldrüse mit ihren Gängen und den Sekreten als Verdauungsorgan identifiziert war, lernte man immer mehr über die Funktion.

1869 entdeckte der deutsche Pathologe Paul Langerhans den endokrinen Anteil der Bauchspeicheldrüse, der nach ihm „Langerhanssche Inseln“ benannt wurde. Allerdings konnte er die Funktion dieser Zellen nicht deuten.

1880 erkannte Étienne Lancereaux, ein französischer Arzt und Diabetologe, schließlich, dass die seit dem Altertum bekannte Zuckerkrankheit mit Veränderungen der Bauchspeicheldrüse in Verbindung steht.

Letzte Änderung: 15.11.2015

Dr. med. Stefan  Schubert

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Dr. med. Stefan Schubert

Facharzt für Innere Medizin. Schwerpunkt Gastroenterologie, Angiologie.

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