Corona-FAQs

Corona-FAQs und CED (chronisch entzündliche Darmerkrankungen)

Bin ich als CED-Patient besonders gefährdet, an Covid 19 zu erkranken?
Diese Frage lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht pauschal beantworten. Noch wissen wir zu wenig über die Übertragung und die Erkrankung.
Sicherlich spielt hierbei eine Rolle, wie gut die Patienten mit ihrer CED eingestellt sind und welche Medikamente sie derzeit einnehmen.

Gehöre ich als CED-Patient zu einer Risikogruppe bei einer Infektion mit dem Coronavirus?
Allein Tatsache, dass Sie eine chronisch entzündliche Darmerkrankung (CED) haben, heißt noch nicht, dass die Abwehr von Virusinfekten durch Ihr Immunsystem beeinträchtigt ist und dass Sie daher zu einer Risikogruppe gehören. Ihr Risiko, an Coronaviren SARS-CoV-2 zu erkranken, steigt allerdings, falls Sie aufgrund einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung eine medikamentöse Therapie erhalten, die das Immunsystem einschränkt. Das Risiko steigt auch, aufgrund einer Mangelernährung in einer körperlich schlechten Verfassung sind.

Kann eine immunsuppressive Therapie einen schweren Verlauf der Covid-19-Infektion begünstigen?
Diese Frage wird kontrovers diskutiert.
Bei einer Infektion mit Coronaviren SARS-CoV-2 kommt es zu überschießenden Immunreaktionen im Bereich der Lunge, wodurch ein Entzündungsprozess entsteht, der dazu führt, dass die Lunge weniger Sauerstoff aufnehmen kann.
Einige Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass eine immunsuppressive Therapie möglicherweise die überschießende Immunantwort sogar positiv beeinflussen kann.
Wenn Sie derzeit Immunsuppressiva einnehmen, sollten Sie in jedem Falls die Vor- und Nachteile der weiteren Therapie mit Ihrem behandelnden Arzt absprechen.

Was mache ich, wenn ich Durchfall habe?
Wenn Sie jetzt Durchfall haben, wenden Sie sich bitte früh an Ihren behandelnden Arzt. Nicht jeder Durchfall ist ein Anzeichen eines möglichen Krankheitsschubs oder eine Corona-Infektion. Auch CED-Patienten können mal eine normale oder infektiöse Durchfallerkrankung bekommen. Dies muss von einem Schub abgegrenzt und anders behandelt werden.
Außerdem sollte ausgeschlossen werden, dass ein aktueller Durchfall das Symptom einer Covid-19-Infektion ist, denn mehr als ein Drittel aller Corona-Infizierter haben als einer der Symptome auch Durchfall.

Ich glaube, dass ich mich mit dem Corona-Virus angesteckt habe. Was soll ich nun tun?
Nehmen Sie beim Verdacht auf eine Ansteckung mit dem Corona-Visus zunächst einem telefonisch Kontakt zu Ihrem behandelnden Arzt oder unter bundesweiten Telefonnummer 116117 auf.
Hier wird Ihnen das weitere Vorgehen empfohlen.
Gehen Sie bitte nicht unangemeldet in eine Arztpraxis, um weitere Ansteckungen zu vermeiden.

Was mache ich als CED-Patient, wenn ich mich mit dem Corona-Virus angesteckt habe?
In jedem Fall sollten Sie bei einem Verdacht oder bei einer bestätigten Corona- Infektion Ihren Arzt zunächst einmal telefonisch kontaktieren. Er wird Ihnen dann empfehlen, welche Medikamente Sie weiterhin nehmen können und welche der Therapien Sie nun besser absetzen oder ändern sollten.

Kann Covid-19 einen Schub auslösen?
Es gibt bislang keine Daten, die dies belegen. Besonders in China und Spanien, wo es viele Covid-19 Fälle gab, konnte kein Hinweis gefunden werden, dass das Virus einen Schub bei CED auslöst. Allerdings kann die begleitende Durchfallsymptomatik der COVID-19-Erkrankung möglicherweise einen leichten CED-Schub nachahmen.

Sollen Patienten mit einer CED bei einer Covid-19 Infektion ihre immunsuppressiven Medikamente absetzen?
Wenn Sie zu Ihrem Immunsuppressiva Bedenken haben, besprechen Sie bitte jegliche Therapieänderungen mit Ihrem behandelnden Arzt.
Für den Fall, dass Sie mit COVID-19 infiziert sind und nur leichte Krankheitszeichen zeigen gibt die ECCO, der europäischen Dachorganisation der CED-Gastroenterologinnen (European Crohn's and Colitis Organisation) folgende Informationen heraus (Stand 14.04.2020):
Steroide:
Falls Sie als CED-Patient Steroide benötigen und es keine Möglichkeit gibt, andere Wirkstoffe zu nehmen, empfiehlt die ECCO, dass die Steroide in der geringsten sinnvollen Dosis weiter eingenommen werden sollten.
Thiopurine (Azathioprin/6Mercaptopurin):
Da Thiopurine die Anzahl von Immunzellen im Körper einschränkt und das Infektionsrisiko mit Viren erhöhen, sollte sehr sorgsam erwogen werden, ob die Thiopurin-Therapie möglicherweise ausgesetzt werden sollte. Nachdem Covid-19-Infektion überstanden ist, empfiehlt die ECCO mit der Wiederaufnahme der Thiopurine-Therapie noch 7-14 Tage zu warten
Methotrexat (Stand 20.03.2020):
Die ECCO empfiehlt (20.03.2020) darüber zu diskutieren, ob es im Einzelfall sinnvoll sein kann, die nächste Injektion mit Methotrexat zu verzögern, weil das Medikament den Krankheitsverlauf von COVID-19 verschlechtern kann.
JAK-Inhibitoren (Tofacitinib):
Da JAK-Inhibitoren die Anzahl der Immunzellen reduzieren, kann, es sinnvoll sein, die Therapie auszusetzen, bis die Infektion auskuriert ist. Die ECCO empfiehlt (am 14.04.2020) nach einer überstandenen COVID-19 Infektion noch 7-14 Tage bis zur nächsten Medikamenteneinnahme zu warten.
TNF-alpha Blocker (Infliximab/Adalimumab/Golimumab) und andere Biologika (Ustekinumab/Vedolizumab):
Die ECCO empfiehlt (am 15.04.2020) nach einer überstandenen Covid-19-Infektion noch 7-14 Tage abzuwarten, bis die Therapie fortgesetzt wird.

Letzte Änderung: 01.07.2020

Autor
Dr. med. Jens  Müller-Ziehm

Autor

Dr. med. Jens Müller-Ziehm

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterlogie

Gastroenterologische Schwerpunktpraxis

Falkenstr. 27

30449 Hannover

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