Echte Zöliakie eher selten

[Oktober 2016]

Echte Zöliakie nach wie vor eher selten

Zölikaie kommt, so der Aschaffenburger Gastroenterologe Priv.-Doz. Dr. med. Hardi Lührs, eher selten vor. Häufig ist bei einem sehr ähnlichen Beschwerdebild eine Glutensensivität gegeben.
Den Satz „Ich vertrag kein Gluten!“ kennen wir mitlerweile alle. Viele Menschen verzichten aus Furcht vor einer Zöliakie auf glutenhaltige Produkte. Nimmt die Zahl der Betroffenen wirklich zu oder ist die Glutenunverträglichkeit eine Modeerscheinung?

Nimmt die Anzahl der an Zöliakie erkrankten Patienten stetig zu?
Aus Sicht von PD Dr. Hardi Lührs nimmt die Zahl der echten Zöliakie-Patienten nicht wesentlich zu. Gastroenterologen berücksichtigen dieses Krankheitsbild schon immer früh in der Diagnostik von Beschwerden im Bereich des Bauchs, im Wesentlichen im Rahmen der Magenspiegelung, so dass die bei festgestellten Fälle etwa konstant sind. Etwas häufiger kommen in der Praxis die Anfrage zur serologischen Diagnostik (eine Blutuntersuchung) der Zöliakie vor. Während die Diagnose "Zölikakie" nur selten gestellt wird, scheint die Zahl der Patienten mit Glutensensitivität zuzunehmen.


Warum nimmt die Zahl der Menschen mit einer Glutensensivität zu?

Zum einen liegt dies an der zunehmenden öffentlichen Wahrnehmung dieses Themenkomplexes. Die echte Zöliakie ist allerdings vor dem Hintergrund der vielfachen Nahrungsmittelunverträglichkeiten nach wie vor eine eher seltene Erkrankung. Nicht selten kann die Diagnose "Zöliakie" nicht gestellt werden obgleich betroffene Patienten unter einer glutenfreien Diät keine Beschwerden mehr haben.


Warum gibt in der Öffentlichkeit ein so großes Interesse am Thema "Zöliakie"?

Häufig werden Beschwerden im Bereich des Bauchs (und zum Teil auch andere Beschwerden wie zum Beispiel Müdigkeit oder Hautveränderungen) bei fehlenden „klassischen“ Erkrankungen oder einer anderen Erklärung für die Symptome auf die Unverträglichkeit von Nahrungsbestandteilen zurückgeführt. Oft bleiben die Ursachen der Beschwerden auch trotz umfangreicher Diagnostik im Dunkeln. Das mag daran liegen, dass eine Fülle von Einzelsubstanzen wie Gewürzen, Stabilisatoren und Geschmacksverstärkern gibt, die man nicht oder nur schwer für den einzelnen Patienten identifizieren kann. Für das große Interesse gerade an Zöliakie ist sicher auch die Symptomvielfalt verantwortlich: Ich habe irgendwelche Beschwerden – vielleicht ist es ja Zöliakie?


Hat eine glutenfreie Ernährung für den Betroffenen negative Folgen für die Betroffenen?

Meines Wissens hat die lebenslange glutenfreie Ernährung bei sonst normaler Nahrungsaufnahme keine negativen Folgen für die Betroffenen. Wichtig ist, dass die Patienten im Rahmen einer professionellen Ernährungsberatung über die genaue Diät informiert werden. Die Nachteile einer weiteren glutenhaltigen Ernährung bei Zöliakie sind schwerwiegender als eventuell denkbare Nachteile einer lebenslangen glutenfreien Ernährung.


Gibt es auch eine „Weizenunverträglichkeit ohne Zöliakie“?

Es gibt tatsächlich noch zwei weitere Möglichkeiten der Weizenunverträglichkeit: erstens eine echte Weizenallergie auf das Protein im Weizen, feststellbar durch Haut- oder Bluttests, zweitens die genannte Glutensensitivität, also nicht allergische Funktionsstörungen durch Gluten, deren Wirkmechanismus nicht bekannt ist. Hier ist keine direkte Diagnostik möglich, sondern die Diagnose erfolgt nach Ausschluss einer Zöliakie und einer Weizenallergie.

Letzte Änderung: 01.10.2017

Autor
Privatdozent  Dr. med. Hardi Lührs

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Privatdozent Dr. med. Hardi Lührs

Facharzt für Innere Medizin/ Gastroenterologie

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