EHEC - Ein Jahr danach

Im Sommer 2011 war die EHEC-Epidemie vor allem in Norddeutschland, aber auch bundesweit ein Gesprächsthema, das wochenlang durch die Presse ging. Bei dieser EHEC-Epidemie handelte es sich um den bisher größten Krankheitsausbruch durch EHEC-Erreger in Deutschland und bezogen auf die Anzahl der HUS-Fälle um den größten weltweit beschriebenen derartigen Ausbruch.

Was ist HUS?

HZI_ehec_007.jpgHUS ist die Abkürzung für das „hämolytisch-urämische Syndrom“, auch Gasser-Syndrom genannt. Als HUS bezeichnet man eine Erkrankung der kleinen Blutgefäße, die verschiedene Ursachen haben kann. Das typische HUS wird hauptsächlich durch ein Gift verursacht, das einige Darmbakterien wie die Escherichia coli oder der EHEC-Erreger produzieren. Diese Bakteriengifte können die Blutzellen zerstören und die Nierenfunktion so weit schädigen, dass es auch zu einem akuten Nierenversagen kommen kann.

EHEC-Zahlen

Laut dem Abschlussbericht des Robert-Koch-Instituts vom September 2011 wurden insgesamt 855 Erkrankungen an HUS und 2.987 Fälle von akuter Gastroenteritis gemeldet, die auf eine Infektion mit dem EHEC-Erreger zurückzuführen sind. Der Anteil der Frauen überwog sowohl bei den HUS-Fällen (68 %) als auch bei den EHEC-Fällen (58 %). Unter den HUS-Patienten verstarben 35 (4,1 %) und unter den EHEC-Patienten mit Gastroenteritis 18 (0,6 %).

Nach Entdeckung der Ursachen

Nachdem Sprossen als Überträger identifiziert waren und ihr Vertrieb Anfang Juni gestoppt wurde, traten in Deutschland keine Erkrankungshäufungen mehr auf, die mit dem Verzehr von Sprossen im Zusammenhang standen. Später kam es noch zu sporadischen Sekundärübertragungen durch infizierte Haushaltskontaktpersonen sowie zu einzelnen lokalen Ausbrüchen, die auf eine sekundäre Verunreinigung von Lebensmitteln durch Beschäftigte (EHEC-Ausscheider) in Lebensmittelbetrieben zurückzuführen waren. Auch einzelne Laborinfektionen waren zu beobachten.
Eine Studie untersucht die langfristigen Verläufe der EHEC-Erkrankung.
Das Bundesgesundheitsministerium hat nach Ausbruch der Epidemie 1,23 Millionen Euro bereitgestellt, um untersuchen zu lassen, wie gut sich EHEC-Patienten langfristig erholen, wie sie wieder in den Arbeitsalltag integriert werden und wie lange der Erreger noch ausgeschieden wird. Schon jetzt kann man feststellen, dass sich die Sorge bezüglich der Langzeitschäden nicht bewahrheitet hat. Die meisten Patienten haben sich besser und schneller von der lebensbedrohlichen Infektion erholt als befürchtet.
Ob und wann mit einem erneuten EHEC-Ausbruch gerechnet werden müsse, lasse sich nicht vorhersagen, so Christian Gerloff, Ärztlicher Leiter des Kopf- und Neurozentrums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) im Ärzteblatt im Dezember 2011.

Letzte Änderung: 01.10.2017

Dr. med. Gernot Schönfeld

Autor

Dr. med. Gernot Schönfeld

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie/Proktologie

Facharztzentrum für Gastroentrologie, Proktologie und Hepatologie am Hohenzollernpark

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