Endoskopie von Galle und Bauchspeicheldrüse

Die endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ERCP), die endoskopische Untersuchung der Gallenwege und des Gangsystems der Bauchspeicheldrüse, wird meist in einem Krankenhaus durchgeführt. Nach der Untersuchung bleibt der Patient meist zumindest für eine Nacht stationär in der Klinik.

Bei der ERCP werden die Gangsysteme nach Einbringen eines Kontrastmittels im Röntgen-Kontrastbild dargestellt, so dass der Gastroenterologe Gallensteine, Verengungen der Gallenwege oder sonstige Veränderungen erkennen und unter Umständen auch direkt beheben kann. ercp_250_250.gif

Vorbereitung

Ihr Arzt klärt Sie rechtzeitig darüber auf, wie die Untersuchung abläuft, wie Sie sich vorbereiten sollen und welche seltene Komplikationen möglich sind.

Um den oberen Verdauungstrakt gut beurteilen zu können, muss dieser frei von Speiseresten sein. Daher soll mindestens 12 Stunden vor der Untersuchung nichts mehr gegessen und getrunken werden.

Nehmen Sie aspirinhaltige Präparate oder blutgerinnungsbeeinträchtigende Medikamente (z. B. Macumar und Clopidogrel) besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob und wie Sie diese Medikamente einnehmen sollen.

Betäubung

Die Untersuchung wird immer unter Betäubung durchgeführt.

Wie verläuft die Untersuchung der Gallenwege und des Gangsystems der Bauchspeicheldrüse?

Nach Ruhigstellung des Patienten und medikamentöser Entspannung der Dünndarmmuskulatur führt der Arzt ein spezielles, flexibles Endoskop (Duodenoskop) durch Rachen, Speiseröhre und Magen bis in den Zwölffingerdarm. Nun wird ein Katheter in den Gallen- bzw. Bauchspeicheldrüsengang platziert und über diesen Kathteter ein Kontrastmittel eingespritzt, das die Darstellung der Gangsysteme auf dem Röntgenmonitor ermöglicht. Wenn während der Untersuchung Gallensteine lokalisiert werden, kann der Arzt durch den Arbeitskanal des Endoskops Spezialinstrumente dorthin bringen. Hierfür muss die Mündung der Gangsysteme meist durch einen Schnitt erweitert werden (Papillotomie). Anschließend können Steine gegebenenfalls zerkleinert und mit Hilfe eines Fangkörbchens entfernt werden. Es kann auch ein Ballon verwendet werden, der hinter die Steine geführt, mit Luft gefüllt und dann zum Herausziehen der Steine benutzt wird.

Wenn eine Gangverengung vorliegt, kann nach Aufdehnen der Verengung ein Stent eingebracht werden, also ein Röhrchen, das den Abfluss von Gallenflüssigkeit bzw. Bauchspeicheldrüsensekret sicherstellt. Auch die Entnahme von Gewebeproben ist möglich.

Welche Risiken hat die ERCP?

Bei etwa 10 % der ERCP-Untersuchungen treten Komplikationen auf. Wegen dieser doch recht hohen Komplikationsrate sollte die Untersuchung heute nicht zu rein diagnostischen, sondern nur zu therapeutischen Zwecken (Steinentferung, Gallengangsverschluss) angewendet werden. Zu rein diagnostischen Zwecken empfehlen wir nach Ausschluss von Kontraindikationen eine MRCP (Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie).

[Abbildung: J. Guntau ERCP-Normalbefund aus: Albertinen-Krankenhaus II.Medizin Quelle: Wikipedia.de]

Letzte Änderung: 23.04.2013