Histaminintoleranz

Definition

rotwein.gifAls Histaminintoleranz bzw. Histaminunverträglichkeit bezeichnet man die Unverträglichkeit von Histamin bzw. eine Histamin-Abbaustörung im Körper. Weil sich die Histaminunverträglichkeit häufig nach dem Genuss von Rotwein bemerkbar macht, wird sie auch als „Weinallergie“ bezeichnet. [Abbildung: © Imants Ozolins | Dreamstime.com]

Histamin

Histamin ist ein Stoff, der im menschlichen Körper für unser Immunsystem an der Abwehr körperfremder Stoffe beteiligt ist. Histamine werden im menschlichen Organismus gebildet, sind aber auch in vielen Lebensmitteln enthalten.
Bei einer Histaminintoleranz kann das durch die Nahrung aufgenommene und im Körper gebildete Histamin nicht oder nur teilweise abgebaut werden. Beim Verzehr histaminhaltiger Nahrung oder wenn der Körper zu viele Histamine ausschüttet, kommt es zu einer pseudoallergischen Reaktion des Körpers.

Symptome

Die Symptome einer Histaminintoleranz können sehr unterschiedlich sein. Sie können schon wenige Minuten, aber auch erst Stunden nach dem Genuss von histaminhaltigen Nahrungsmitteln eintreten. Zu den typischen Symptomen der Histaminintoleranz gehören unter anderem:
  • Herz-Kreislauf: Bluthochdruck (Hypertonie), niederer Blutdruck (Hypotonie), Herzrasen (Tachykardie), Herzrhythmusstörungen, Kurzatmigkeit
  • Kopf: Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel
  • Haut: Ekzeme, Hautausschlag, Hautrötung, Juckreiz
  • Gastrointestinal: Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung, Übelkeit/Erbrechen
  • Atmung: Schnupfen, Atembeschwerden, Asthmasymptome
  • Menstruation: Menstruationsstörungen, Schmerzen
  • Allgemein: Müdigkeit, Schlafstörungen, Hitzewallungen
Die Krankheitssymptome können in der Schwangerschaft verschwinden, treten jedoch nach der Schwangerschaft wieder auf.
Zahlreiche Medikamente können eine Histaminintoleranz verstärken. Dazu gehören:
  • Diazepam (Beruhigungsmittel)
  • Metronidazol (Antibiotikum)
  • Lorcainid (gegen Herzrhythmusstörungen)
Anders als bei anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann eine Histaminintoleranz in sehr seltenen Fällen zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.

Ursachen

Normalerweise wird das Histamin aus den Nahrungsmitteln von körpereigenen Enzymen (DiAminoOxidase, DAO) noch im Dünndarm abgebaut. Wenn dieser Abbau nicht funktioniert und Histamine in den Darm gelangen, kommt es zu den unten beschriebenen Symptomen.
Die Ursachen werden kontrovers diskutiert. Strittig ist, ob die Histamin-Intoleranz angeboren ist (wahrscheinlich eher selten) oder ob es sich um eine erworbene Erkrankung handelt.Dass Tabakrauch eine Histaminintoleranz begünstigt, wird vermutet, ist aber noch nicht ausreichend untersucht worden.

Diagnose

Zwar kann die DAO-Aktivität im Blut und im Urin gemessen werden, die Werte erlauben allerdings keine eindeutige Schlussfolgerung.
Falls vermutet wird, dass Sie an einer Histaminintoleranz leiden, kann die Diagnose mit Hilfe einer Ernährungsumstellung gesichert werden. Zunächst sollten Sie beim Verdacht auf eine Histaminintoleranz auf Lebensmittel verzichten, die Histamine in hohen Mengen enthalten. Verzichten sollten Sie in dieser Phase unter anderem auf Alkohol, geräuchertes Fleisch, Thunfisch, Sardinen und Käse.
Bessern sich die Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Wochen und verschlechtern sich die Symptome wieder, wenn Sie histaminhaltige Lebensmittel zu sich nehmen, können Sie davon ausgehen, dass Sie an einer Histaminintoleranz leiden.
Auch kann man vor und nach einer 14-tägigen Histamin-Diät eine Blutuntersuchung zur Bestimmung des Histamin- und Diaminooxidasespiegels durchführen lassen, damit der Arzt die Werte vergleichen kann.

Häufigkeit

Die Histaminintoleranz tritt bei etwa 1–3 % der europäischen Bevölkerung auf. 80 % der erkrankten Personen sind Frauen und die meisten von ihnen sind älter als 40 Jahre.

Histaminhaltige Nahrungsmittel

  • Rotwein - je höher der Reifegrad, desto höher der Histamingehalt
  • Backwaren, die Hefe enthalten
  • Lang gereifte Käsesorten - je höher der Reifegrad, desto höher der Histamingehalt, ebenso Joghurt und Buttermilch
  • geräuchertes Fleisch und Innereien
  • viele Fischprodukte, insbesondere Fischkonserven und geräucherter Fisch
  • fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut und Sojaprodukte (Miso, Shoyu)
  • Essig sowie essighaltige Produkte wie Senf sowie in Essig eingelegte Lebensmittel (z. B. eingelegtes Gemüse)
  • französischer Champagner (Champagner wird teilweise aus roten Trauben hergestellt)
  • Pilze, auch Schimmelpilze (z. B. Edelschimmel auf verschiedenen Käsesorten)
  • Tomaten, Ketchup und Pizza
Lebensmittel, die den Abbau von Histamin verzögern:
  • Ananas
  • Papayas
  • Nüsse
  • Kakaoprodukte
  • einige Medikamente
Alkoholkonsum steigert die Durchlässigkeit der Zellwände und senkt damit die Histamintoleranzgrenze, weshalb insbesondere beim Mischen von Alkohol und histaminreicher Nahrung (z. B. Rotwein und Käse) überaus starke Reaktionen auftreten können.

Histaminliberatoren

Es gibt Nahrungsmittel, Nahrungsmittelzusatzstoffe und andere Stoffe, die selbst zwar nur wenig Histamin enthalten, aber entweder die Histaminausschüttung im Darm begünstigen oder aber das histaminabbauende Enzym DAO blockieren können. Die Wirkung dieser Stoffe ist denen, die viele Histamine enthalten, sehr ähnlich.
Zu diesen Histaminliberatoren gehören unter anderen:
  • Schokolade (wegen des hohen Kakaogehalts)
  • Obstsorten wie Ananas, Erdbeeren, Kiwis, Pflaumen, Zitrusfrüchte
  • Haselnüsse, Walnüsse
  • Zusatzstoffe wie Tartrazin (Farbstoff in Gummibärchen), Glutamat, Gelatine und Konservierungsmittel
  • Champignons
  • Meeresfrüchte wie Krusten- und Schalentiere und wirbellose Meeresfrüchte
  • Röntgenkontraststoffe

DAO-Hemmer

Es gibt Substanzen, die die Wirkung des Enzyms DAO beeinträchtigen können, was dazu führt, dass das Histamin nicht abgebaut wird. Diese Stoffe nennt man DAO-Hemmer.
Neben einigen Medikamenten, die als DAO-Hemmer bekannt sind, gelten die folgenden Nahrungsmittel und Getränke als DAO-Hemmer:
  • Alkohol
  • grüner und schwarzer Tee
  • Kakao
  • Energy Drinks
  • Muskatnuss

Therapie

Eine Therapie gibt es nicht. Wenn Sie an einer Histaminintoleranz leiden, sollten Sie versuchen, Ihre individuelle Histamin-Toleranzgrenze zu finden.
Beginnen sollten Sie in jedem Fall mit einer möglichst histaminfreien Ernährung und dann nach und nach austesten, welche Lebensmittel Sie in welchen Dosen vertragen.

Das Enzym Diaminooxidase

Das Enzym Diaminooxidase wird aus Schweinenierenextrakt gewonnen und in Kapselform angeboten. Es soll bei einer Histaminunverträglichkeit helfen, überschüssiges Histamin zu verarbeiten und ist "zur diätetischen Behandlung von histaminbedingten Lebensmittelunverträglichkeiten" zugelassen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob es sinnvoll ist, das Enzym bei einem festgestellten Enzymmangel einzunehmen.

Tipps

  • Histamin-App
    Eine Histaminintoleranz-App hilft Ihnen beim Einkaufen von Lebensmitteln. In über 350 Einträgen werden hier histaminfreie, histaminarme und histaminhaltige Lebensmittel klassifiziert:
    Für IPhone, IPod, IPad etc: https://itunes.apple.com/de/app/histaminintoleranz-histaminfreie/id683270476?l=de&ls=1&mt=8
    Für Android: https://play.google.com/store/apps/details?id=de.baliza.hifmco&hl=de
  • Histamin und Stress
    Histamin kann durch Stress, Schock, Unfälle, große Angst oder Schmerzen, auch bei größeren chirurgischen Eingriffen, freigesetzt werden. Daran sollten Sie immer denken, wenn Sie unter einer Histaminintoleranz leiden.
  • Frische Lebensmittel
    Ernähren Sie sich möglichst von frischen Lebensmitteln. Der Histamingehalt in Lebensmitteln kann durch Tiefkühlen erhöht sein.
  • Vitamin C
    Vitamin C beschleunigt den Abbau von Histamin. Daher sollten Sie möglichst viel Vitamin C mit frischem Obst, Gemüse und Kartoffeln zu sich nehmen. Achtung: Keine Zitrusfrüchte, denn die fördern die Histaminausschüttung.
  • Medikamente
    Es gibt eine ganze Reihe von Wirkstoffen in Medikamenten, die die Produktion des Enzyms DAO hemmen, wie z. B. Antibiotika, Schmerzmittel u. a. Bitte fragen Sie immer Ihren Arzt, wenn Sie ein Medikament einnehmen möchten, ob dies bei einer Histaminintoleranz sinnvoll ist.

Letzte Änderung: 01.04.2014

Dr. med. Gernot Schönfeld

Autor

Dr. med. Gernot Schönfeld

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie/Proktologie

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Dr. med. Andreas Schröder

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