Kortikosteroide (Kortison)

Was ist Kortison?

Kortison, auch als Cortison (aus dem Lateinischen cortex=Rinde), Steroid oder Glucocorticoid bezeichnet, ist ein Steroidhormon, das in den 1930er Jahren in der Nebennierenrinde des Menschen gefunden wurde. Kortison ist die durch Oxidation inaktivierte Form des eigentlichen Hormons Cortisol, das im Zuckerhaushalt, dem Fettstoffwechsel und dem Eiweißumsatz Bedeutung besitzt. Umgangssprachlich werden Medikamente mit Cortisolwirkung häufig als "Kortison" oder "Prednisolon" bezeichnet. Bei oraler oder intravenöser Gabe wird Kortison in der Leber in das eigentlich wirkungsaktive Cortisol umgewandelt.

Wie wirken Kortisonpräparate?

Cortisol ist ein Hormon, das eine dämpfende Wirkung auf das Immunsystem hat. Dies wird in der Medizin häufig genutzt, um überschießende Reaktionen zu unterdrücken und Entzündungen zu hemmen.

Wann wird Kortison eingesetzt? (Indikation)

Kortisonpräparate wirken in der Therapie der CED als starke Entzündungshemmer. Die Wirkung des Kortisons setzt meist innerhalb weniger Tage ein. Allerdings hat diese Wirkstoffgruppe auf Dauer zahlreiche unerwünschte Nebenwirkungen bis hin zur Verkürzung der Lebenserwartung. Deshalb sind diese Medikamente nicht zur Langzeitbehandlung geeignet. Bei etwa 20 % der Patienten wirkt Kortison nicht ausreichend, um in eine Remission zu kommen. Dies nennt man "steroidrefraktär".

Unerwünschte Wirkungen von Kortisonpräparaten

Nach Einnahme von Kortisonpräparaten können unerwünschte Nebenwirkungen wie u. a. Gewichtszunahme, "Vollmondgesicht", "Stiernacken", Schlafstörungen, Depressionen oder Knochenabbau auftreten. Je höher die Dosis und je länger die Einnahme, desto ausgeprägter sind diese Nebenwirkungen. Bei etwa einem Drittel aller Patienten, bei denen Kortisone zur Entzündungshemmung beitragen, kommt es nach der Reduzierung der Dosis zu einem erneuten entzündlichen Schub. Dies nennt man "steroidabhängig“.

Darreichungsformen

Man unterscheidet zwei unterschiedlich wirksame Steroide:
  • Systemisch wirksames Steroid
    Systemisch wirksame Steroide mit den Wirkstoffen Prednison, Prednisolon oder Methylprednisolon können bei einem schweren CED-Schub als Tabletten oder intravenös als Injektion verabreicht werden. Systemisch wirksame Steroide werden bei extraintestinalen Manifestationen der CED dem lokal wirkenden Steroid vorgezogen.
  • Topisch (lokal) wirksame Steroide Das topisch wirksame Steroid Budesonid (Budenofalk®, Entocort®) hat eine hohe lokale Wirksamkeit und im Verhältnis zu den systemisch wirksamen Steroiden geringere Nebenwirkungen. Budesonid wird bei leichten bis mittelgradigen Schüben des Morbus Crohn oral, als Einlauf oder Rektalschaum verabreicht. Aufgrund der speziellen Zubereitung des Medikamentes wird der Wirkstoff erst ab dem Übergang von Dünn- zu Dickdarm pH-abhängig freigesetzt. In der Behandlung der Colitis ulcerosa spielt das Budesonid nur eine untergeordnete Rolle.

Letzte Änderung: 01.10.2017

Autoren
Dr. med. Wilfred Landry

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Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie

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Dr. med. Michael Mroß

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