Magengeschwür

Definition: Magengeschwür

Das Magengeschwür (Magen-Ulcus, Ulcus ventriculi), kurz auch Ulkus (von lateinisch ulcus = Geschwür) genannt, ist eine Schädigung der Magenwand, die nicht nur die oberste Magenschleimhautschicht, sondern auch die tiefer liegenden Schichten des Magens betrifft. Die häufigste Ursache für ein Magengeschwür ist eine starke oder länger andauernde Magenschleimhautentzündung. Wenn die Entzündung weit fortgeschritten und sehr tief ist und die gesamte Magenwand betrifft, kann sie im schlimmsten Fall die Wand durchbrechen (Magendurchbruch), so dass sich der Mageninhalt in die Bauchhöhle entleert. Dies ist immer ein lebensbedrohlicher Zustand.

Ursachen für ein Magengeschwür

Es gibt verschiedene Ursachen für ein Magengeschwür.
  • Schwere akute oder chronische Gastritis (Schleimhautschädigung durch Magensäure),
  • häufige oder regelmäßige Medikamenteneinnahme von z. B. Schmerzmitteln,
  • hoher Alkoholkonsum und Rauchen,
  • Stress oder
  • die Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori.

Häufigkeit

Da viele Magenschleimhautentzündungen und auch wenige Magengeschwüre symptomlos verlaufen, gibt es keine zuverlässigen Zahlen über die Häufigkeit. Man schätzt aber, dass etwa 5 – 10 % der über 50-Jährigen ein Magengeschwür haben oder hatten. Etwa 50 von 100.000 Menschen erkranken jährlich neu daran. Das Magengeschwür (Ulcus ventriculi) gehört zu den häufigsten Krankheiten des Magens.

Diagnose

Das Magengeschwür ist im Rahmen einer Magenspiegelung zu erkennen und wird durch eine Gewebeprobe, die bei einer Magenspiegelung entnommen wird, gesichert.

Risiken

Zu den Faktoren, die das Risiko eines Magengeschwürs erhöhen, gehören unter anderem:
  • Rauchen und das Trinken hochprozentigen Alkohols,
  • regelmäßige Medikamenteneinnahme von unter anderem nichtsteroidalen Antiphlogistika,
  • genetische Disposition und
  • Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori.
Darüber hinaus ist das Risiko, ein Magengeschwür zu entwickeln, bei Menschen mit der Blutgruppe 0 erhöht.

Symptome

Die Beschwerden, die ein Magengeschwür verursachen kann, sind vielfältig und unspezifisch.
  • Appetitlosigkeit
  • Gewichtsabnahme
  • Druckgefühl, Übelkeit und Brechreiz
  • leichte bis starke stechende Schmerzen im Oberbauch
Bei einigen Patienten bessern sich die Beschwerden nach dem Essen, bei anderen werden die Beschwerden durch das Essen ausgelöst. Bei ca. 10 % bestehen keine Beschwerden, und unter Umständen ist erst eine Komplikation (Blutung oder Magenkrebs) Anlass zur Diagnose.

Komplikationen (Magendurchbruch/Blutung/Krebsentwicklung)

Die häufigste Komplikation ist eine chronische oder akute Blutung aus einem (unerkannten) Magengeschwür. Die akute Blutung ist meist durch heftigen Schmerz, Bluterbrechen („schwarzes“, durch Magensäure geronnenes Blut) und/oder schwarzen Stuhlgang (Teerstuhl) gekennzeichnet. Sie bedarf in der Regel unverzüglich der Behandlung. Diese erfolgt durch eine Stillung der Blutung während einer Magenspiegelung (z. B. mit Verschluss der Blutungsquelle durch Clips); diese Behandlung führt in den allermeisten Fällen zum Erfolg. Andernfalls muss eine Operation ­erfolgen. Die chronische Blutung fällt oft erst durch eine unklare Blutarmut auf und verläuft häufig ohne Beschwerden. Auch hier wird das zugrundeliegende Magengeschwür durch die Magenspiegelung gefunden und behandelt.

Ist die Magenwand, meist als Folge eines Magengeschwüres, so sehr geschädigt, dass sie sich über die Magenvorderwand in die Bauchhöhle öffnet, nennt man dies Magendurchbruch (Magenperforation). Ein Magendurchbruch geht mit starken und stechenden Schmerzen einher und macht nahezu immer einen operativen Eingriff erforderlich.

Ein Magengeschwür kann sich, wenn es an der Magenhinterwand liegt, auch über die Magenwand hinaus bis in die hinter dem Magen gelegene Bauchspeicheldrüse ausbreiten. Dies nennt man Magenpenetration. Der hierfür typische starke Rückenschmerz lässt nicht immer gleich an ein Ursache im Magen denken!

In ca. 4 % der Fälle verbirgt sich hinter einem Magengeschwür eine bösartige Erkrankung des Magens (Magenkrebs). In mindestens 70 % der Fälle besteht gleichzeitig eine Helicobacter-Infektion, die dann auch behandelt werden muss. Die Sicherung der Diagnose erfolgt immer mit einer Gewebeprobe bei einer Magenspiegelung. Wegen der möglichen Bösartigkeit ist es von besonderer Bedeutung, dass alle Magengeschwüre durch eine Spiegelung kontrolliert werden: oft ist eine erste Gewebeprobe ohne Nachweis von Bösartigkeit, und erst die in der Kontrolle dokumentierte vollständige Abheilung schließt Bösartigkeit sicher aus.

Therapie

Ein Magengeschwür wird in der Regel ähnlich wie die Gastritis mit Protonenpumpenhemmern (Protonenpumpen-Inhibitoren, PPIs) mit den Wirkstoffen Omeprazol, Pantoprazol oder Esmoeprazol oder in seltenen Fällen auch zusätzlich mit Antazida behandelt.

Letzte Änderung: 03.11.2014

Dr. med. Boris Kämpfer

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