Magenschleimhautentzündung (Gastritis)

Die Magenschleimhautentzündung (Gastritis) ist eine sehr häufig vorkommende, entzündliche Erkrankung der Magenschleimhaut. Sie ist nicht ansteckend, kann akut oder chronisch verlaufen und tritt mit zunehmendem Lebensalter häufiger auf.

Definition der Gastritis

Normalerweise ist der Magen mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die die tiefer liegenden Schichten des Magens vor der aggressiven Magensäure schützt, die für die Verdauung wichtig ist.
Ist die Schleimschicht des Magens nicht ausreichend wirksam, kann die Magenschleimhaut durch die eigene Magensäure angegriffen werden und es kann zu einer Gastritis kommen.

Man unterscheidet zwischen einer

  • akuten Magenschleimhautentzündung,
    die akut auftritt, in der Regel auch Beschwerden verursacht und meist relativ schnell wieder abheilt, und der
  • chronischen Magenschleimhautentzündung,
    die eher schleichend und dauerhaft verläuft, seltener Beschwerden verursacht und auch beschwerdefrei verlaufen kann.

Die akute Gastritis kann in eine chronische Gastritis übergehen.

Symptome

Während sich die akute Magenschleimhautentzündung durch plötzlich auftretende Symptome wie z. B.
  • Druckgefühl,
  • mehr oder weniger starke Schmerzen im Oberbauch,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • unangenehmem Geschmack im Mund oder
  • Appetitlosigkeit
bemerkbar macht, entwickelt sich die chronische Magenschleimhautentzündung meist langsam.
Einige Betroffene haben gegen bestimmte Nahrungsmittel eine Abneigung, andere berichten, dass die Beschwerden in Zusammenhang mit dem Essen stehen.

Ursachen einer Gastritis

Es gibt verschiedene Ursachen, die zu einer Magenschleimhautentzündung führen können:
  • Infektion mit Bakterien, Viren oder Schimmelpilzen
  • Lebensmittelvergiftung
  • übermäßiger Konsum von Alkohol, Nikotin, Kaffee
  • Stress
  • Medikamente oder Verätzungen
  • Autoimmune Ursache
  • Strahlentherapie

Verschiedene Typen der Gastritis

Die chronische Magenschleimhautentzündung unterscheidet man anhand ihrer Auslöser:
  • Gastritis Typ A (Typ-A-Gastritis):
    Die seltenste Form der chronischen Magenschleimhautentzündung, die Gastritis vom Typ A, ist eine Autoimmunerkrankung (nur 5 % aller Fälle von Gastritis), die vorwiegend den Magenkörper (Korpus) betrifft. Hierbei kommt es ohne bisher bekannte Ursache zur Bildung von Antikörpern gegen die körpereigene Magenschleimhaut (Autoimmunerkrankung), die dadurch ihre Funktion verliert (Schutz, Schleimbildung etc.) und sich zurückbildet. Dies kann mit einer Probe aus der Magenschleimhaut nachgewiesen werden. Erst im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann der Organismus nicht mehr ausreichend Vitamin B12 aufnehmen, was in der für diese Erkrankung typischen, durch Vitamin-B12-Mangel bedingten Form der Blutarmut (perniziöse Anämie) resultiert. Der B12-Mangel kann auch – u. U. schon vor einer Blutarmut – typische Nervenschädigungen verursachen. Die Gastritis Typ A kann mit anderen Autoimmunerkrankungen einhergehen. Die Gastritis vom Typ A gilt auch als Präkanzerose, d. h. dass Patienten mit einer Typ-A-Gastritis ein statistisch erhöhtes Risiko für eine bösartige (maligne) Entartung haben.
    Patienten mit einer Typ-A-Gastritis sollten sich endoskopisch regelmäßig in Absprache mit ihrem behandelnden Arzt kontrollieren lassen.
  • Gastritis Typ B (Typ-B-Gastritis):
    Die häufigste Form der chronischen Magenschleimhautentzündung, die Gastritis vom Typ B (85 % aller Fälle von Gastritis), betrifft vorwiegend den Magenabschnitt vor dem Magenpförtner (Antrum). Weil die Gastritis vom Typ B durch eine bakterielle Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori ausgelöst wird, bezeichnet man sie auch als „bakterielle Gastritis“. Eine Infektion mit Helicobacter pylori erhöht das Risiko für Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, und Patienten mit einer Typ-B-Gastritis erkranken auch häufiger an Magenkrebs als andere.
  • Gastritis vom Typ C (Typ-C-Gastritis):
    Die Magenschleimhautentzündung vom Typ C ist eine durch Chemikalien ausgelöste Gastritis (10 % aller Fälle von Gastritis), die vorwiegend den Magenpförtner (Pylorus) betrifft.
    Die Gastritis vom Typ C kann ausgelöst werden durch Gallensaft, der vom Dünndarm in den Magen zurückfließt (Gallereflux), oder durch Medikamente wie Aspirin (ASS), Diclofenac oder andere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR). Auch übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen erhöhen das Risiko, an einer Magenschleimhautentzündung vom Typ C zu erkranken.

Komplikationen

Aufgrund einer Gastritis kann es zu Komplikationen kommen wie:
  • Magengeschwür (Ulkus),
  • Magenblutungen und
  • Magendurchbruch, der sofortige ärztliche Hilfe erforderlich macht.

Diagnose der Gastritis

Um eine Gastritis sicher zu diagnostizieren, ist ein ausführliches Anamnese-Gespräch notwendig, in dem der Patient seine Beschwerden erläutert, seinen Lebensstil beschreibt (Rauchen, Alkohol, Stress) und Auskunft gibt über die Medikamente, die er einnimmt. Die Diagnose kann nur durch eine Magenspiegelung gesichert werden (→ Gastroskopie), bei der eine Gewebeprobe (→ Biopsie) aus der Magenschleimhaut entnommen und auf Zellveränderungen und Infektionen (v. a. Helicobacter pylori) untersucht wird.

Auch wenn eine Infektion mit Helicobacter pylori vermutet wird, sollte eine Magenspiegelung mit einer Biopsie durchgeführt werden, um die Diagnose zu sichern. Ein → 13C-Harnstoff-Atemtest, der den Erreger mit hoher Wahrscheinlichkeit in der ausgeatmeten Luft nachweisen kann, wird in der Regel nach der Behandlung einer Helicobacter-Infektion zur Kontrolle eingesetzt und von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Eine Stuhluntersuchung auf Helicobacter kann dasselbe leisten. Ob bei dem Patienten auch eine Typ-B-Gastritis vorliegt, beweist dieser Test aber nicht.


Eine Röntgenuntersuchung des Magens ist in der Regel nie erforderlich.

Therapie der Gastritis

Zunächst sollte man versuchen, alles zu vermeiden, was die Magenschleimhaut reizt. Betroffenen wird empfohlen, möglichst auf Rauchen, Alkohol, fettes und stark gewürztes Essen zu verzichten sowie Stress zu vermeiden.
Die Gastritis kann mit verschiedenen Medikamenten behandelt werden, die unterschiedlich wirken:
  • Antazida (Neutralisierung von Magensäure im Magen)
    Antazida sind Arzneimittel, die die Magensäure neutralisieren. Sie können die Produktion der Magensäure zwar nicht hemmen, die wirksame Menge aber reduzieren. Ihre Wirkung hält nicht lange an und sie müssen mehrmals pro Tag nach den Mahlzeiten und/oder vor dem Schlafengehen eingenommen werden.
  • H2-Blocker (Hemmung der histamininduzierten Magensäurebildung)
    H2-Blocker sind Wirkstoffe, die in der Magenwand die durch Histamin angeregte Produktion der Magensäure blockieren. Cimetidin, Ranitidin und Famotidin gehören zu den Wirkstoffen, die die Histamin-2-Rezeptoren (H2-Rezeptoren) blockieren. H2-Blocker sind stärker und länger wirksam als Antazida, verlieren aber bei regelmäßiger Einnahme rasch ihre Wirksamkeit (Tachyphylaxie).
  • Protonenpumpenhemmer (Hemmung der Produktion von Magensäure in den Magenbelegzellen)
    Gegen den sauren Magensaft als Ursache der Entzündung können so genannte Säureblocker helfen, die die Produktion der Magensäure hemmen. Meist werden Protonenpumpenhemmer (Protonenpumpen-Inhibitoren, PPI) mit den Wirkstoffen Omeprazol, Pantoprazol oder Esmoeprazol eingesetzt. Diese blockieren in den Zellen der Magenschleimhaut (Magenbelegzellen) ein Enzym, das normalerweise die Magensäure in das Mageninnere pumpt. Protonenpumpenhemmer sind die wirksamsten verfügbaren Säureblocker. Sie sollten – wie die H2-Blocker – i. d. R. einmal am Tag und vor dem Frühstück eingenommen werden. Sie verlieren auch bei regelmäßiger Einnahme NICHT ihre Wirksamkeit.
  • Prokinetika (Anregung der Magenbewegung)
    Prokinetika mit dem Wirkstoff Metorclopramid oder Domperidon helfen, die Peristaltik des Magen-Darm-Traktes und somit die Magenbewegung anzuregen und zu koordinieren. Die Magenentleerung wird beschleunigt, um Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen entgegenzuwirken. Auch das pflanzliche Medikament Iberogast® hat eine – wenn auch schwächere – vergleichbare Wirkung.
  • Eradikation (Beseitigung der Helicobacter pylori)
    Ziel einer Therapie der Gastritis vom Typ B ist es, die Ursache der Infektion zu behandeln. Dies nennt man Eradikations-Therapie. Bei der Eradikation der Helicobacter-pylori-Infektion werden neben Protonenpumpeninhibitoren mind. zwei verschiedene Antibiotika eingesetzt. Auch Wismuthsalze werden in Kombinationsbehandlungen eingesetzt.
Die Gastritis vom Typ A kann nicht ursächlich behandelt werden. Hier wird man allenfalls symptomatisch behandeln, d. h. bei einem festgestellten Vitamin-B-12-Mangel erfolgt eine Therapie mit diesem Vitamin durch Muskelinjektionen.
Sind bei einer Gastritis vom Typ C bestimmte Medikamente die Ursache, so wird man versuchen, diese durch besser verträgliche zu ersetzen.

Tipps

Bei einer Gastritis sollte auf die Ernährung geachtet werden.
  • Essen Sie langsam und nur kleine Portionen.
  • Vermeiden Sie stark gewürzte und besonders fette Speisen.
  • Vermeiden Sie Rauchen, Alkohol, Kaffee und Stress.
  • Verzichten Sie auf magenschädigende Medikamente (z. B. NSARs).
  • bei entsprechender Vorgeschichte (z. B. frühere Magengeschwüre)schützen Sie Ihren Magen (z. B. mit Protonenpumpenhemmern), wenn Sie auf magenschädigende Medikamente angewiesen sind.

Letzte Änderung: 03.10.2014

Dr. med. Tilo Mackenroth

Autor

Dr. med. Tilo Mackenroth

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie

Gastroenterologische Schwerpunktpraxis im Facharztzentrum Süd

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Dr. med.  Petra Jessen

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Dr. med. Petra Jessen

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie/Proktologie

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