Pneumokokken: Aktuelle Impfempfehlungen

[Januar 2017]

Pneumokokken: Aktuelle Impfempfehlungen der STIKO (STändige ImpfKOmmission)

Pneumokokken sind in Europa die Hauptursache bakterieller Lungenentzündungen.
Im September 2016 hat die STIKO, die Ständige Impfkommission, die dem Robert-Koch-Institut (RKI) zugeordnet ist, neue Impfempfehlungen zur Pneumokokken-Impfung herausgegeben für Personen, die aufgrund einer Grunderkrankung ein erhöhtes Risiko haben, an einer Pneumokokken-Infektion zu erkranken oder im Falle einer Pneumokokken-Erkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. ´

Empfohlen werden für:

  1. Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, Immunschwäche bzw. Immunsuppression:
    Impfung mit PCV13 gefolgt von PPSV23 nach 6-12 Monaten (PPSV23 erst ab dem Alter von 2 Jahren).
  2. Personen mit sonstigen chronischen Krankheiten:
    Personen ab dem Alter von 16 Jahren erhalten eine Impfung mit PPSV23. Personen im Alter von 2-15 Jahren erhalten eine Impfung mit PCV13 gefolgt von PPSV23 nach 6 -12 Monaten.

CED und Impfung
Bei Patienten mit einer CED (chronisch-entzündlichen Darmerkrankung) kann es im Verlauf der Therapie sinnvoll sein, mit Immunsuppressiva behandelt zu werden. Vor Beginn einer solchen Therapie sollte der Impfstatus mit dem Arzt besprochen und geklärt werden, welche Impfungen noch vor Therapiebeginn sinnvoll sind.
Während einer Therapie mit immunsuppressiven Medikamenten kann es zu einer verminderten Impfantwort kommen, was bedeutet, dass möglicherweise nicht jede Impfung erfolgreich verläuft.
Die Verabreichung von Lebendimpfstoffen (z. B. gegen Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken) muss abgewogen werden, da bei der Impfung mit Lebendimpfstoffen eine sehr kleine Menge funktionsfähiger, abgeschwächter Erreger verabreicht wird. Das kann bei einem durch die Therapie geschwächtem Immunsystem dazu führen, dass durch die Impfung eine Infektion ausgelöst wird.
Die STIKO rät auch Patienten mit einer Colitis ulcerosa und einem Morbus Crohn prinzipiell sich an die generellen Impfempfehlungen zu halten und das Thema regelmäßig mit dem behandelnden Arzt abzustimmen.

CED und Pneumokokken-Impfung
Derzeit stehen in Deutschland zur Impfung Erwachsener zwei unterschiedliche Pneumokokken-Impfstoffe zur Verfügung:

  1. Seit 1983 gibt es für Erwachsene einen Pneumokokken-Impfstoff, der gegen 23 verschiedene Pneumokokken-Typen wirkt, die für mehr als 90 % der Erkrankungen verantwortlich sind (23-valente Polysaccharidvakzine, PPV23). Zwar werden mit dem PPV23-Impfstoff mehr Pneumokokken-Typen erreicht, allerdings werden nur die B-Zellen und nicht die T-Zellen stimuliert.
  2. Seit 2011 ist ein Impfstoff zugelassen, der gegen 13 verschiedene Pneumokokken-Typen wirkt (Konjugatimpfstoff, PCV13) und ein immunologisches Gedächtnis aufbaut.

Impfen unter TNF-Blockern
Eine Studie hat die Effektivität und Sicherheit von Impfungen gegen Pneumokokken bei Patienten unter einer TNF-α-hemmenden Therapie untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass zwar möglichst vor Therapiebeginn gegen Pneumokokken geimpft werden sollte, eine Impfung aber auch während der Therapie möglich ist. [Impfung bei erwachsenen Patienten mit chronisch entzündlichen rheumatischen Erkrankungen, S. Goldacker, A. Gause, K. Warnatz und die Kommission Pharmakotherapie der DGRh]

Letzte Änderung: 03.10.2017

Dr. med. Wilfred Landry

Autor

Dr. med. Wilfred Landry

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie

Medizinisches Versorgungszentrum Dachau

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