Sorbitintoleranz

Die Sorbitintoleranz gehört zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten.
Sorbit, auch Sorbitol, Gluditol oder Hexanhexol genannt, ist als Zuckeraustauschstoff unter der Bezeichnung Lebensmittelzusatzstoff E 420 in vielen industriell hergestellten Lebensmitteln enthalten. Sorbit ist ein Zuckeralkohol, der aber auch in vielen Obstsorten und in Gemüse von Natur her vorkommt. e420.gif Weil Sorbit weniger Kalorien als Haushaltszucker liefert, nämlich 2,4 kcal/g, und weil für seine Verstoffwechselung im Körper kein Insulin benötigt wird, wird es zum Süßen von Lebensmittel für Diabetiker bevorzugt.
In der Industrie wird Sorbit häufig als Feuchthaltemittel und zur Haltbarmachung von Lebensmittel eingesetzt.

Definition Sorbitintoleranz

Von einer Sorbitinoleranz, Sorbitmalabsorption oder Sorbitunverträglichkeit (SU) spricht man, wenn die Aufnahme von Sorbit im Dünndarm ganz oder teilweise gestört ist. Die Verstoffwechselung von Sorbit findet dann im Dickdarm statt, wo es die Resorption von Fruktose im Dünndarm behindert. Dadurch kommt es im Dickdarm zu einer vermehrten bakteriellen Gärung mit der Folge vermehrter Entwicklung von Gasen, die als Blähungen empfunden werden.

Symptome

Die typischen Beschwerden einer Sorbitintoleranz nach dem Genuss von Sorbit sind:
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Übelkeit
  • Müdigkeit
  • Völlegefühl

Diagnose

Falls Sie glauben, dass Sie unter einer Sorbitunverträglichkeit leiden, sollten Sie Ihr Essverhalten beobachten. Meiden Sie für einige Tage konsequent alle Lebensmittel, in denen Sorbit enthalten ist. Wenn es Ihnen dann besser geht, liegt der Verdacht einer Sorbitintoleranz nahe.
Um eine Sorbitunverträglichkeit sicher zu diagnostizieren, kann aber auch ein sogenannter Sorbit-Atemtest (H2-Atemtest) durchgeführt werden. Dabei wird der Gehalt an Wasserstoff, der bei der fehlgeleiteten Verstoffwechselung entsteht, gemessen.
Meist wird bei einem solchen Atemtest auch die Laktose- und Fruktoseunverträglichkeit getestet.

Therapie/Vorbeugung

Eine Therapie der Sorbitunverträglichkeit gibt es nicht. So bleibt den Betroffenen nur, ihre Ernährung umzustellen und möglichst auf Lebensmittel zu verzichten, die Sorbit enthalten.
Ist bei Ihnen eine Sorbitunverträglichkeit diagnostiziert worden, sollten Sie zunächst für mindestens 4 Wochen alle Produkte meiden, die Sorbit als Zuckeraustauschstoff enthalten. Wenn sich Ihr Darm erholt hat und die Symptome nachgelassen haben, können Sie langsam alle paar Tage ein sorbithaltiges Lebensmittel in Ihren Speiseplan aufnehmen und testen, ob es Ihnen bekommt. Sollten die Beschwerden wieder anfangen, setzen Sie dieses Lebensmittel wieder ab. So können Sie lernen, was Ihr Körper in welchen Mengen vertragen kann.
Darüber hinaus ist Sorbit viel genutzter Lebensmittelzusatzstoff und kann in vielen Lebensmitteln vorhanden sein, in denen man es gar nicht vermutet.
Sorbit muss auf allen abgepackten Lebensmittel als Zusatzstoff mit der Bezeichnung E 420 deklariert sein.
Jedes Lebensmittel, das mehr als 10 % Sorbit oder andere Polyole enthält, muss daher auch den Wortlaut: „...kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken.“ tragen. Diese Lebensmittel sollten Sie bei einer Sorbitunverträglichkeit in jedem Fall meiden.
Bei einer Überempfindlichkeit gegen Sorbit (E 420) sollten Sie auch auf andere Zuckeralkohole verzichten, darunter Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Maltit (E 965), Lactit (E 966) und Xylit (E 967).
Da sich Sorbit in fast allen Fertig- oder Halbfertigprodukten, aber auch in fast allen herkömmlichen Kaugummis und Lutschpastillen findet, sollten Sie die Zutatenliste dieser Lebensmittel aufmerksam durchlesen.
Sorbit findet sich natürlicherweise aber auch in vielen einheimischen Kernobstsorten. Im Trockenobst ist die Konzentration aufgrund des Wasserverlustes noch höher; so ist die Konzentration etwa in einer getrockneten Aprikose etwa fünfmal so hoch wie in einer frischen Frucht.

Tipps bei einer Sorbitunverträglichkeit

  • Sorbit ist als Zuckeraustauschstoff häufig in Diabetiker-, Diät – und Lightprodukten enthalten.
  • Viele Früchte, vor allem Steinobst, enthalten relativ viel Sorbit und können daher oft nicht gut vertragen werden. Sorbitreiche Obstsorten sind beispielsweise Äpfel, Aprikosen, Marillen, Pfirsiche, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Trauben. Beerenobst hingegen wird meist gut vertragen.
  • Auch Pilze, Artischocken, Nutella, Bier, Wein und Fruchtsäfte enthalten Sorbit.
  • Sorbit kommt nicht selten auch in Fertiggerichten und abgepackten Backwaren vor. Es kann sich dort hinter den E-Nummern E 432, E 433, E 434, E 435 und E 436 verbergen. Man muss gründlich lesen: E 432 beispielsweise ist Polyoxyethylensorbitanmonolaurat. „Sorbit“ ist hier nur Teil einer chemischen Verbindung.
  • Die oben genannten Lebensmittel sind nur ein Auszug aus den sorbithaltigen Lebensmitteln. Umfangreiche Listen können Sie im Internet, im Buchhandel bzw. in Sorbitintoleranz-Ratgebern bei Ihrem Arzt bekommen.
  • Je nach Einsatzart muss Sorbit nicht notwendig in der Zutatenliste aufgeführt werden. Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl und vermeiden Sie Lebensmittel, die zu Beschwerden führen können.
  • Sorbit kann auch in Medikamenten enthalten sein. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, bevor Sie Medikamente einnehmen.

Letzte Änderung: 01.01.2015

Dr. med. Wilfred Landry

Autor

Dr. med. Wilfred Landry

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie

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Privatdozent Dr. med.  Nicolas  Hoepffner

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