Compliance

Compliance/Adherence in der gastroenterologischen Praxis bei PatientInnen mit CED
Neben einer langjährigen ärztlichen Erfahrung und einer umfassenden Ausbildung erfordert der Umgang mit PatientInnen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) für den Arzt/die Ärztin einen erheblichen zeitlichen Aufwand. Viele PatientInnen haben dank eines oftmals umfangreichen Vorwissens einen besonderen Anspruch und fordern zu Recht eine gute Betreuung ihrer chronischen Erkrankung.
Hieraus resultiert nicht selten ein Arzt-Patienten-Konflikt, der zur Folge hat, dass die Therapietreue des Patienten/der Patientin nicht gut ist: der Patient/die Patientin kritisiert den Arzt/die Ärztin und hält die ärztlichen Empfehlungen nicht ein. Dadurch sieht der Arzt/die Ärztin seine/ihre Fachautorität im Zweifel und der Patient/die Patientin wird als nicht compliant, d.h. als nicht therapietreu eingestuft.

Ein Fünftel der Rezepte wird nicht eingelöst

Es ist bekannt, dass grundsätzlich mindestens ein Fünftel aller ausgestellten Rezepte in Deutschland nicht eingelöst wird und dass die Hälfte der Medikamente gar nicht oder falsch eingenommen wird. Non-Compliance gilt immer als ein Zeichen für eine gestörte Arzt-Patienten-Beziehung.

Compliance

Unter Compliance versteht man die gehorsame Befolgung von ärztlichen Anweisungen.

Adherence

Unter Adherence versteht man die freie Entscheidung eines von den ärztlichen Empfehlungen überzeugten PatientIn. Somit wird der Arzt/die Ärztin seine/ihre Informationen und Anweisungen mit den Möglichkeiten und Wünschen des/der PatientIn abstimmen.

Wissenschaftliche Studien haben den eindeutigen Nachweis erbracht, dass Non-Adherence mit dem Rezidivrisiko der CED korreliert.

Was sind die Gründe für mangelnde Adherence?

  • Zweifel an Sicherheit und Wirksamkeit der Therapie
  • Angst vor Nebenwirkungen der Therapie
  • zu viele/zu große Tabletten; zudem zu häufige Einnahme
  • Wohlbefinden in der Remission
  • Verleugnung der Chronizität der Erkrankung
  • Kommunikationsdefizite zwischen Arzt/Ärztin und PatientIn
Kann die Anzahl der täglichen Tabletteneinnahme verringert, die Patientenzuverlässikeit der Therapie damit verbessert und die Wirkung der Therapie unter diesem Konzept dennoch verbessert werden?

Die PODIUM-Studie

Die PODIUM-Studie als multizentrische, randomisierte, Prüfarzt-verblindete, kontrollierte Untersuchung konnte zeigen, dass die Einmalgabe von 2 Gramm Mesalazin (Pentasa 2gXtend) pro Tag zur Remissionserhaltung einer Colitis ulcerosa wirksamer ist als die zeitlich gesplittete Zweimalgabe von je 1 Gramm pro Tag. Die Compliance der PatientInnen war bei der 1x täglichen Einnahme signifikant höher. Auch die Patientenakzeptanz der täglichen Einmalgabe war im Vergleich zur täglichen Mehrfacheinnahme signifikant höher. Die klinischen und endoskopischen Kontrolluntersuchungen zeigten unter dem Therapieregime der Eimalgabe bessere Remissionsraten. Die Ergebnisse der PODIUM-Studie sind wahrscheinlich nicht nur auf die Galenik und die retardierte Freisetzung von Pentasa, sondern auch auf die höhere Compliance und somit auf eine bessere Adherence der PatientInnen zurückzuführen.

Letzte Änderung: 13.11.2021

Autor
Dr. med. Wolfram Graf Finck von Finckenstein

Autor

Dr. med. Wolfram Graf Finck von Finckenstein

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie

Internistische Schwerpunktpraxis

Prinzregentenstr. 8

86150 Augsburg

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