Darmkrebsvorsorge senkt Todesrate

[Januar 2011]

Seit 1971 ist die Zahl der Verkehrstoten um ca. 80 % gesunken

Warum nicht bei der Darmkrebsvorsorge die Todesrate senken?

Das Kolonkarzinom ist nach dem Bronchialkarzinom die zweithäufigste Todesursache aller Krebserkrankungen in der Bundesrepublik Deutschland. Deutschland liegt dabei im Vergleich zur übrigen Europäischen Union und zu den USA sowohl bei der männlichen, als auch bei der weiblichen Bevölkerung an der Spitze. In Deutschland wurden ca. 70.000 Neuerkrankungen und ca. 30.000 Todesfälle registriert. Die absolut betrachteten Todesfälle am Darmkarzinom/Jahr steigen weiter auf Grund der demographischen Entwicklung mit der relativen Zunahme der älteren Bevölkerungsgruppen.
Die logische Konsequenz dieser Entwicklung kann also nur darin bestehen, die Beteilung der Bevölkerung an den Krebsfrüherkennungsmaßnahmen zu steigern. Dies ist bis 2002 nicht gelungen. Die Teilnahme an Maßnahmen zur Darmkrebsfrüherkennung in der Bevölkerung seit 1971 liegt durchschnittlich bei 34 % der Frauen und 18 % der Männer.

Signifikante Reduktion der Mortalität

In den letzten Jahren wurde publiziert, dass durch den Einsatz der präventiven Koloskopie eine signifikante Reduktion der Mortalität allein durch frühzeitige Entfernung von Polypen im Darm erreicht werden kann. Winawer beschrieb 1997, dass die totale Koloskopie mit Polypektomie die Inzidenz des kolorektalen Karzinoms um bis zu 90 % senken kann. Aus diesem Grunde sollte ab dem 56. Lebensjahr alle 10 Jahre eine komplette Koloskopie durchgeführt werden, da die Adenom-Karzinom-Sequenz dieses Zeitintervall in der Regel nicht unterschreitet. Das 56.Lebensjahr wurde deshalb gewählt, weil 80 % aller Kolonkarzinome bei Personen über dem 60.Lebensjahr auftraten .

Die Darmspiegelung als Goldstandard

Die Koloskopie – der Goldstandard - ist ein risikoarmes, von den PatientInnen gut toleriertes Verfahren, wie mehrfach belegt werden konnte. Selbst im Vergleich zur virtuellen Koloskopie liegt die reale Koloskopie sowohl im Schmerzscore wie auch im Discomfort Score deutlich vor der virtuellen Koloskopie, so dass sich die Mehrheit erneut für eine reale Koloskopie entscheiden würde, selbst unter dem Gesichtspunkt einer längeren Wartezeit.

Seit dem 01.10.2002 ist ein Anspruch zur präventiven Koloskopie ab dem 56. Lebensjahr mit der Option einer 2. Koloskopie nach frühestens 10 Jahren in der GKV verankert. Dieses neue Früherkennungsprogramm wurde von der Deutschen Ärzteschaft und den Krankenkassen als Ergänzung zu den bisher bestehenden Strategien zur Vermeidung kolorektaler Karzinome zum einem auf dem Boden eines Bayrischen Modellprojektes, zum anderen auch durch die Ergebnisse gesundheitsökonomischer Modellüberlegungen als Vorsorgekoloskopie beschlossen. Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle der Einsatz der Felix Burda Stiftung mit Ihrer Präsidentin Frau Dr. Christa Maar. Und der Stiftung Lebensblick mit Herrn Dirk Wuppermann und Herrn Prof. Dr. Riemann.

Ein Problem bei dieser Vorsorgestrategie stellt momentan noch die relativ niedrige Beteiligung dar. Seit Einführung der Vorsorge-Koloskopie (2003) betrug die Beteilungsrate etwa 17 % bei Frauen und 15 % bei Männern.

Höhrere Teilnahme an den Vorsorgeuntersuchungen kann Darmkrebstodesrate senken

Nur wenn wir es schaffen, eine Prozentzahl von etwa 30-40 % zu erreichen, wird es möglich sein, die Gesamtsterblichkeit an Kolon-Karzinomen in der Bevölkerung in Deutschland signifikant zu senken. Man darf allerdings nicht vergessen, dass natürlich auch viele PatientInnen ohnehin auf Grund von Beschwerden koloskopiert werden, sodass davon auszugehen ist, dass zumindest weitere 30 % dieser Bevölkerungsgruppe im Rahmen sogenannter kurativer Koloskopien zur Abklärung von Beschwerden untersucht werden. Wenn es also deshalb gelänge, in 10 Jahren zusätzlich 30 % der Bevölkerung mit der Vorsorge-Koloskopie zu erreichen, würde die Koloskopierate in der Zielgruppe sicherlich über 50 % liegen, sodass man so einen Effekt auf die Senkung der Dickdarmsterblichkeit erreichen müsste. Abgesehen von dieser Vorsorge-Koloskopie für die gesamte Bevölkerung ab dem 56. Lebensjahr sollte auch erwähnt werden, dass es von großer Relevanz ist, in Familien, bei denen schon in jüngeren Jahren Kolon-Karzinome auftraten, die Familiemitglieder auch früher mit einer hohen Koloskopie zu untersuchen, da hier ein deutlich erhöhtes Krebsrisiko besteht. Diese Diskussionen sollten mit dem Hausarzt/der Hausärztin und dem/der zuständigen GastroenterologIn geführt werden. Es ist also sehr wichtig für die Teilnahme an einer Vorsorge-Koloskopie zu werben, um so durch eine ausreichende Teilnahme die Effektivität dieser wertvollen Untersuchung zur Prävention des Darmkrebses nachweisen zu können. Bis 2008 konnte die Effektivität insofern nachgewiesen werden, dass wir die Sterberate um 10 % senken konnten, und die fortgeschrittenen Karzinome (ca. 70 % Stad III und IV) früher detektiert werden (jetzt 70 % Stad I und II) konnten.

Mehr Informationen zur Darmkrebsvorsorge finden Sie hier.

Letzte Änderung: 05.06.2021

Autor
Dr. med. Hans-Joachim Toermer

Autor

Dr. med. Hans-Joachim Toermer

Facharzt für Innere Medizin

Gastro-Praxis Köln Nord im Facharztzentrum am Heilig Geist-Krankenhaus

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