Hepatitis D

Die Hepatitis D ist eine Infektionskrankheit, die vom Hepatitis-D-Virus (HDV) übertragen wird. Es handelt sich um ein unvollständiges Virus, dessen Hülle nicht komplett ist. Das Hepatitis-D-Virus kann sich daher nur mit Hilfe des Hepatitis-B-Virus vermehren. Somit kommt eine Hepatitis-D-Infektion ausschließlich bei Menschen mit bereits vorliegender Hepatitis-B-Infektion vor. Eine Infektion mit Hepatitis D kann eine chronische Hepatitis B deutlich verschlechtern und erhöht das Risiko, dass es im Verlauf zu einem bindegewebinge Umbau der Leber (Leberzirrhose), zu Leberkrebs oder zu anderen schwerwiegenden Komplikationen kommt. Das Hepatitis-D-Virus gilt als das gefährlichste bekannte Hepatitis-Virus. In 70-90% aller Fälle führt die Hepatitis-D-Infektion zu schweren Krankheitsverläufen.

Häufigkeit

Während weltweit etwa 2 Milliarden Menschen eine Hepatitis-B-Infektion durchgemacht haben oder durchmachen, sind etwa fünf Prozent von ihnen zusätzlich auch mit dem Hepatitis-D-Virus infiziert. In Europa sind schätzungsweise 13,3 Millionen Menschen, das sind etwa 1,68% der Erwachsenen, chronisch mit dem Hepatitis-D-Virus infiziert, wobei die regionale Verbreitung der Infektion sehr verschieden ist – in Nordeuropa sind etwa 0,1% betroffen und in der Türkei etwa 7%. In Deutschland kommt die Hepatitis-D-Infektion nur sehr selten vor.

Ansteckung

Hepatitis D wird ebenso wie Hepatitis B meist durch Blut (durch unhygienisch benutzte Tätowier- oder Akupunkturnadeln, bei Drogenabhängigen durch die Benutzung infizierter Nadeln), seltener aber auch durch Geschlechtsverkehr übertragen. Darüber hinaus kann die Infektion durch die Verwendung verunreinigter Blutkonserven übertragen werden.

Symptome

Zwischen der Ansteckung und ersten Anzeichen einer Hepatitis-D-Erkrankung mit Symptomen können einige Monate vergehen. Die Symptome einer Hepatitis-D-Infektion sind ähnlich wie die einer Hepatitis-B-Infektion. In seltenen Fällen können schon früh Beschwerden auftreten: grippeähnliche Symptome, heller Stuhl, dunkler Urin, Fieber oder eine Gelbfärbung der Haut und/oder der Augen. Das häufigste Symptom einer Hepatitis-B- und -D-Infektion ist Müdigkeit. Auch wenn es sich um eine chronische Infektion handelt, kann diese länger ohne Symptome bleiben.

Verlauf

Der Verlauf der Erkrankung unterscheidet sich, je nachdem, ob die Infektion mit Hepatitis D gleichzeitig mit Hepatitis B oder erst später erfolgte. Finden beide Ansteckungen zur selben Zeit statt, nennt man es Simultaninfektion; erfolgt die Infektion nachträglich, wird dies als Superinfektion bezeichnet. Eine Superinfektion, also eine spätere Ansteckung, schädigt die Leber deutlich stärker und führt häufig schnell zu einer Leberzirrhose und/oder zu Leberkrebs.

Diagnose

Zur Diagnostik einer Hepatitis-D-Infektion gehört immer auch die Diagnostik der Hepatitis B. Erst wenn eine Hepatitis B im Blut nachgewiesen wurde, wird das Blut auch auf eine Hepatitis D Infektion untersucht: Der Nachweis von Viruspartikeln (HDV-RNA) weist auf eine aktive Vermehrung des Virus hin. Antikörper gegen das Hepatitis D Virus (Anti-HDV-IgM und Anti-HDV-IgG) können eine bestehende oder eine zurückliegende Infektion anzeigen.
Mit Hilfe einer Ultraschall-Untersuchung kann der Arzt/die Ärztin die Größe und Beschaffenheit der Leber beurteilen. Desweiteren können mit dem Ultraschall eventuell schon aufgetretene Spätschäden einer chronischen Hepatitis wie z.B. ein bindegewebiger Umbau (Zirrhose) oder ein Tumor festgestellt werden. Mit speziellen Ultraschallverfahren kann die Ausprägung des Gewebeumbaus gemessen werden, so daß die Entnahme einer Leberprobe nur noch selten bei bestimmten Fragestellungen notwendig ist.

Therapie der Hepatitis D

Die Therapie der begleitenden Hepatitis B kann die Ausheilung der Hepatitis D begünstigen. Bislang gibt es noch keine wirklich zufrieden stellenden Therapiemöglichkeiten gegen Hepatitis D. Eine 12-monatige Behandlung mit Interferon α kann in bis zu 50% die im Blut zirkulierenden Virusbestandteile beseitigen und damit Komplikationen der Infektion hinauszögern. Nukleosid-/Nukleotid-Ananaloga, die gegen das Hepatitis-B-Virus eingesetzt werden, können bei starker Vermehrung des Hepatitis D Virus eine Option sein.

Impfung

In Deutschland wird zusätzlich zu den Impfungen von Risikogruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko eine Hepatitis-B-Grundimmunisierung im Säuglings- und Kleinkindalter und das Nachholen der Grundimmunisierung bis dahin noch ungeimpfter Kinder und Jugendlicher möglichst vor der Pubertät empfohlen – diese Impfung schützt dann auch gegen Hepatitis D.

Letzte Änderung: 05.06.2021

Autor
Privatdozent  Dr. med. Hardi Lührs

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Privatdozent Dr. med. Hardi Lührs

Facharzt für Innere Medizin/ Gastroenterologie

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