Hepatitis E

Die Hepatitis E ist eine infektiöse Leberentzündung, verursacht durch das Hepatitis-E-Virus (HEV). Betroffen sind meist junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 40 Jahren.

Weil die Hepatitis E durch Wasser übertragen wird und weil Tiere als Reservoir des Erregers gelten, entwickelt sich die Infektion – besonders im asiatischen Raum – häufig im Zusammenhang mit Überschwemmungen zu einer Epidemie.

Ein Impfstoff (Hecolin) ist in der Volksrepublik China seit April 2012 zugelassen.

Erreger der Hepatitis E

Als man 1980 eine vermeintliche Hepatitis-A-Epidemie untersuchte, wurde der Hepatitis-E-Virus (HEV) in Indien entdeckt und die Hepatitis E als eigenständige Erkrankung identifiziert.

Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass in Deutschland bei etwa 17 % der Bevölkerung Antikörper gegen das HEV-Virus vorhanden sind, ein möglicher Hinweis darauf, dass eine frühere Infektion vorgelegen hat.

Häufigkeit

In unseren gemäßigten Breiten kommt die Hepatitis E nur vereinzelt als mitgebrachte Reiseerkrankung oder als Infektion unbekannter Herkunft vor.

Seit 2001 ist Hepatitis E in Deutschland meldepflichtig. Laut Robert-Koch-Institut nimmt zwar die Zahl der jährlich gemeldeten Infektionen bei uns derzeit zu – 2014 wurden 661 Fälle gemeldet und 2015 waren es mit 1264 fast doppelt so viele, allerdings rührt diese Steigerung wahrscheinlich nicht daher, dass mehr Menschen erkranken, sondern liegt an einer erhöhten Aufmerksamkeit der ÄrztInnen der Krankheit gegenüber sowie an mehr und besseren diagnostischen Möglichkeiten, den Virus zu erkennen.

Symptome

Die Hepatitis E verläuft meist akut und heilt dann auch fast immer vollständig aus. Von den Symptomen ähnelt die Hepatitis E der ebenfalls virusbedingten Leberentzündung vom Typ A (Hepatitis A).

Die meisten Hepatitis-E-Infektionen verlaufen ohne wesentliche Symptome oder mit nur leichten Beschwerden, die nach einigen Wochen wieder abklingen.

Die häufigsten Symptome einer Hepatitis-E-Infektion sind:

  • grippeähnliche Symptome
  • Müdigkeit
  • Fieber
  • Übelkeit
  • dunkler Urin
  • Gelbfärbung der Haut und der weißen Bindehaut der Augen

Bei immunsupprimierten Personen (zum Beispiel nach einer Transplantation, bei Menschen mit einer HIV-Infektion oder während und nach einer Chemotherapie), kann die Hepa­titis-E-Infektion auch chronisch verlaufen und, wie andere chronische Hepatitiden auch, zu einer Leberzirrhose führen.

Es kommt nur sehr selten zu schweren Verläufen. Die Gefahr eines akuten und tödlichen Leberversagens ist besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft oder bei Menschen mit einer chronischen Lebererkrankung sehr hoch, aber in der Gesamtzahl sehr selten (in dieser Gruppe mit Todesraten bis zu ca. 30 %).

Ansteckung

Es gibt unterschiedliche Hepatitis-E-Erreger, deren Ansteckungswege verschieden sind.

HEV-1- und HEV-2-Infektionen finden meist in Ländern mit wenig Ressourcen und niedrigem Hygiene­standard als Schmierinfektionen durch die Aufnahme von fäkal verunreinigtem Wasser oder verunreinigten Lebens­mitteln statt.

In Deutschland und anderen Industrienationen kommt meist der HEV-Genotyp 3 vor (HEV-3), in Asien häufig der Genotyp 4 (HEV-4).

Für den in Deutschland häufigsten Erreger der Hepatitis E, den Genotyp 3, ist das Hausschwein und möglicherweise auch das Wildschwein vermutlich der wichtigste Überträger. Die Übertragung des HEV findet hier daher meist über den Verzehr von unzureichend gegartem Schweinefleisch und daraus hergestellten Produkten statt.

Diagnose

Durch eine Blutuntersuchung kann man Hinweise auf eine Hepatitis-E-Infektion bekommen. Meist sind neben dem Nachweis von Anti-HEV-IgM im Blut auch erhöhte, zum Teil drastisch erhöhte Werte der Transaminasen AST und ALT festzustellen, die in der Regel überproportional zur Erhöhung der alkalischen Phosphatase (AP) und Gamma-GT ausfallen. Es kann auch zu deutlich erhöhten Konzentrationen des Gesamt-Bilirubins im Serum und des Urobilinogens im Urin kommen.

Die Erreger können auch im Blut oder Stuhl mittels Nukleinsäureamplifikationstechniken (NAT), z. B. PCR, verifiziert werden.

Da bei PatientInnen unter Immunsuppression die Blutuntersuchung der Hepatitis E nicht zuverlässig ist und das Risiko einer chronischen HEV-Infektion mit Gefahr für eine Leberzirrhose besteht, kann bei einer entsprechenden Indikation der Erregernachweis mittels NAT durchgeführt werden.

Als chronisch bezeichnet man die HEV-Infektion, wenn der Virusnachweis über einen Zeitraum von mehr als 6 Monaten positiv ausfällt.

Therapie der Hepatitis E

In Deutschland gibt es derzeit keine zugelassene Therapie gegen Hepatitis E. In der Regel bedarf die akute Hepatitis E auch keiner Therapie oder allenfalls einer symptomatischen Behandlung.

Ist allerdings die Leber vorgeschädigt (Alkoholabusus, HBV- und/oder HCV-Infektion, Autoimmunhepatitis), besteht ein erhöhtes Risiko für einen gefährlichen Verlauf. Dies gilt insbesondere für Schwangere, wenn die Möglichkeit einer Genotyp 1-Infektion besteht. In diesem Fall ist eine Therapie angeraten.

Liegt eine chronische HEV-Infektion vor, strebt der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin eine Viruselimination an, um eine weitere Zerstörung der Leber zu verhindern.

Bei dem ausgesprochen seltenen Fall eines akuten Leberversagens als Folge der HEV-Infektion ist derzeit eine Lebertransplantation die einzige Behandlungsoption.

Prävention

Der in China zugelassene Impfstoff gegen die Hepatits E (Hecolin) ist in Europa (noch) nicht zugelassen.

Es gelten die allgemeinen hygienischen Präventionsregeln bei Reisen in Gebiete, in denen die HEV endemisch auftritt.

Tipps:

  • Kochen Sie Leitungswasser ab.
  • Meiden Sie (Wassser-) Eis für Getränke.
  • Essen Sie keine rohen oder nicht ausreichend erhitzte Speisen.
  • „Peel it, cook it, or forget it!“ („Schäle es, koche es oder vergiss es!“).
  • Schweine- und Wildfleisch, das für mindestens 20 Minuten auf ≥ 71 °C erhitzt worden ist, enthält keine aktiven Viren mehr.

Letzte Änderung: 06.06.2021

Autor
Dr. med.  Petra Jessen

Autor

Dr. med. Petra Jessen

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie/Proktologie

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