Gallensteine (Cholelithiasis)

Als Gallensteine bezeichnet man feste, kristalline Ablagerungen in der Gallenblase oder in den Gallengängen. Ein Gallenstein (Cholelith von altgriechisch chole = Galle und lithos = Stein) entsteht durch ein Ungleichgewicht löslicher und fester Stoffe in der Galle. Das Vorhandensein eines oder mehrerer Gallensteine wird als Gallensteinleiden oder Cholelithiasis bezeichnet.

Häufigkeit (Gallensteine)

Etwa 15 % der Frauen und 7,5 % der Männer haben Gallensteine. Das Risiko für Frauen steigt unter anderem mit der Anzahl der Schwangerschaften an.
Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit von Gallensteinen zu.
Aber nur bei etwa 25 %, also jedem Vierten, machen sich Gallensteine im Laufe des Lebens bemerkbar.
Die bloße Anwesenheit von Gallensteinen, die keine Beschwerden machen, bedarf keiner Therapie.

Symptome (Cholelithiasis)

Ein oder mehrere der folgenden Symptome von Gallensteinen treten häufig im Zusammenhang mit dem Verzehr von fettem Essen und Hülsenfrüchten auf, aber auch nach dem Konsum von Kaffee, Alkohol und Nikotin.
  • Druckgefühl im rechten Oberbauch
  • kolikartige Schmerzen
  • Völlegefühl
  • Appetitlosigkeit
  • Fieber (über 38 Grad Celsius) und Schüttelfrost
  • Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute (Gelbsucht, Ikterus)
  • Weißgrauer bis grauer Stuhl (bei akuter Cholangitis)
Eine Gallenkolik kann zwischen 15 Minuten und fünf Stunden als heftig anhaltender, krampfender Schmerz im rechten Oberbauch auftreten.
Wenn die Schmerzen durch die Gallensteine die Lebensqualität beeinträchtigen, sollte darüber nachgedacht werden, die Gallenblase samt der Gallensteine operativ zu entfernen.

Diagnose der Gallensteine

Der Verdacht auf Gallensteine ergibt sich meist aus den vorhandenen Beschwerden, die der Patient schildert. In den meisten Fällen, in denen die typischen Symptome beschrieben werden, zeigt eine Ultraschalluntersuchung des Oberbauches deutliche Verdichtungen in der Galle.
Um die Diagnose zu sichern, kann auch eine endoskopische Untersuchung durchgeführt werden. Während einer Spiegelung (Endoskopie) der Gallenwege unter Röntgenkontrolle (ERC = endoskopische retrograde Cholangiographie) kann der untersuchende Arzt gleich Gallengangssteine entfernen.
Eine Blutuntersuchung kann darüber hinaus klären, ob eine Entzündung vorliegt und ob die Leber- und Gallenwerte auffällig sind.
Auch bei einer Magnetresonanztomographie (MRT) oder einer Computertomographie (CT) können Gallensteine diagnostiziert werden.
Wenn sich aus dem Gallensaft feste Partikel – also Gallensteine – entwickeln, so können sich diese unterschiedlich zusammensetzen:
  • Cholesterinsteine
    Die so genannten Cholesterinsteine bestehen hauptsächlich aus Cholesterin, das sich in der Galle nicht vollständig gelöst hat. Dies kann geschehen, wenn ein Missverhältnis zwischen Gallensäure und Cholesterin besteht. Mehr als 80 % der Gallensteine von amerikanischen und europäischen Patienten sind Cholesterinsteine.
  • Pigmentsteine
    Pigmentsteine bilden sich, wenn die Galle zu viel Bilirubin enthält, dem Abfallprodukt des roten Blutfarbstoffes. Sie treten gehäuft bei Menschen auf, bei denen vermehrt Blut abgebaut wird oder die schwere Leberschäden aufweisen.
  • Mischsteine
    Mischsteine bestehen aus Pigmenten, Cholesterin und Kalk.
Anhand der Symptome, der Blutuntersuchung und der Ultraschallbilder sowie der Größe, Lage und Form der Steine wird der Arzt eine entsprechende Therapie vorschlagen.
In einem Viertel aller Fälle liegt eine genetische Disposition vor.
Auch wenn mehr als 90 % der Gallensteine aus Cholesterin bestehen, hat Cholesterin, wenn wir es über die Nahrung zu uns nehmen, auf die Bildung von Gallensteinen keinen Einfluss.

Ursachen und Risiken (Gallensteine)

Die Bildung von Gallensteinen kann durch eine falsche Ernährung begünstigt werden. Es gibt einige bekannte Risikofaktoren, die die Gallensteinbildung begünstigen:
  • Adipositas,
  • Übergewicht – besonders in Verbindung mit zu wenig Bewegung,
  • kalorienreiche Ernährung mit vielen Kohlenhydraten,
  • eine Blitzdiät,weil sich bei einem beschleunigten Abnehmen die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit ungünstig verschieben kann,
  • zu wenig Ballaststoffe in der Ernährung,
  • eine langfristige künstliche Ernährung (parenterale Ernährung) durch einen Venenzugang oder
  • eine Stoffwechselerkrankung. Eine Stoffwechselerkrankung wie z. B. Diabetes mellitus stellt ein erhöhtes Risiko für Gallensteine dar.

Die Risiken und die 6F-Regel

Mediziner haben für den englischsprachigen Raum die sechs Hauptrisikofaktoren in der 6F-Regel zusammengefasst:
  • fat (adipös, übergewichtig)
  • female (weiblich)
  • fourty (älter als 40 Jahre)
  • fertile (fruchtbar)
  • fair (blond, hellhäutig)
  • familiar (genetische Disposition)

Wann werden Gallensteine problematisch?

Die Anwesenheit von Gallensteinen bedarf, sofern keine Beschwerden vorliegen, keiner Behandlung.
Wenn aber kleinere Steine in den Gallengang wandern, dort steckenbleiben und eine Entzündung und Infektion verursachen oder wenn Steine den Ausgang der Gallenblase blockieren, ruft das meist Koliken mit krampfartigen Schmerzen hervor.

Therapie bei Gallensteinen

Das Ziel der Therapie einer akuten Cholangitis, der aktuellen Entzündung der Gallengänge, die durch Gallensteine und Verstopfung der Gallengänge hervorgerufen wird, ist es, den Fluss der Galle wiederherzustellen. Die Behandlung richtet sich nach dem Fundort, der Zusammensetzung und der Größe der Gallensteine.
Bei einer akuten Gallenkolik können Schmerzmittel und krampflösende Wirkstoffe eingesetzt werden.
Bis vor etwa 15 Jahren hat man einzelne Gallensteine mit einer maximalen Größe von etwa 2 cm mit Ultraschall-Stoßwellen (extrakorporale Stoßwellenlithotripsie, ESWL) zertrümmert.
Kleinere Gallensteine, die nicht größer sind als 5 mm, können mit Hilfe von Medikamenten, die über mehrere Monate gegeben werden, aufgelöst werden.
Da die Gallenblase bei einer normalen Ernährung nicht lebenswichtig ist und die o. g. Therapien auf Dauer nicht sehr erfolgreich sind, werden diese Verfahren heute in den meisten Fällen durch die minimalinvasive Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) ersetzt. In Deutschland wird diese Operation mehr als 190.000-mal durchgeführt.
Eine aktuelle Studie der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg mit Namen ACDC (Acute Cholecystitis – early laparascopic surgery versus antibiotic therapy and Delayed elective Cholecystectomy) zeigt die Vorteile einer schnellen Gallenblasenoperation gegenüber einer antibiotischen Behandlung. Durch die Operation innerhalb von 24 Stunden kommt es seltener zu Komplikationen, und die Patienten sind früher wieder fit.

Tipps für ein Leben ohne Gallenblase

  • Eine spezielle Diät ist nicht erforderlich.
  • Nehmen Sie lieber mehrere kleine als wenige große Mahlzeiten zu sich.
  • Vermeiden Sie eher fette, gegrillte und frittierte Gerichte.
  • Vermeiden Sie blähende Nahrungsmittel wie z. B. Kohl, Knoblauch, Zwiebeln und Hülsenfrüchte.

Letzte Änderung: 01.10.2017

Dr. med. Peter Nagel

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