Hepatitis C

Die Hepatitis C ist eine der am meisten verbreiteten Infektionskrankheiten. Das Hepatitis-C-Virus verursacht eine Leberentzündung. Die Hepatitis C verläuft in dem meisten Fällen (bis 80 %) chronisch und kann im Verlauf zu schweren Leberschädigungen wie der Leberzirrhose und dem Leberzellkarzinom führen.
In Deutschland sind etwa 0,5 % der Bevölkerung infiziert (450.000 bis 500.000 Menschen). Weltweit beträgt die Infektionsrate etwa 3 % (170 Millionen Menschen).

Ansteckung

Die Übertragung der Hepatitis C erfolgt über Blut. tattoo.jpg

Risikogruppen und Ansteckungswege

Eine erhöhte Infektionsgefahr besteht für Benutzer von Drogen, die intravenös konsumiert werden, wenn mehrere Konsumenten dasselbe Spritzbesteck benutzen. Aber auch beim nasalen Drogenkonsum ist die Ansteckungsrate erhöht, wenn Aspirationsröhrchen gemeinsam genutzt werden. Etwa 60 bis 90 % der intravenös (in die Vene) injizierenden Drogenkonsumenten sind Träger des Hepatitis-C-Virus.
Die sexuelle Übertragung der Hepatitis C ist selten, da das Virus durch Blut übertragen wird. Eine Übertragung des Virus durch Geschlechtsverkehr ist aber gehäuft bei sexuell aktiven homosexuellen Männern mit HIV zu beobachten [so einer Studie am Universitätsspital in Bern, 2012].
Bei Verwendung verunreinigter Instrumente sind Tattoos, Ohrstechen und Piercings ein erhöhter Risikofaktor.
Bis 1990 gab es ein erhöhtes Ansteckungsrisiko durch Blutübertragungen oder eine Lebertransplantation. Heute können mit aufwändigen Verfahren über 99 % der Hepatitis-C-Träger, die Blut spenden, identifiziert und von der Blut- und Organspende ausgeschlossen werden.
Die Häufigkeit der Übertragung des Virus von der Mutter auf das ungeborene Kind wird bei einer normalen Entbindung auf unter 5 % geschätzt. Liegt aber auch eine Infektion mit dem HIV vor, kann das Risiko für eine Übertragung auf bis zu 14 % steigen.

Diagnose

Die Diagnose der Hepatitis C erfolgt durch Blutuntersuchungen. Es lassen sich im Blut Antikörper gegen das Virus sowie Teile des Virus (PCR) nachweisen.
Bei einem Verdacht auf Hepatitis C wird bei einer Blutuntersuchung zunächst nach Antikörpern gegen das Virus gesucht. Liegen viele Antikörper vor, wird die Erbsubstanz des Virus bestimmt. Je mehr Erbsubstanz gefunden wird, desto aktiver ist die Erkrankung.
Wird im Abstand von mindestens drei Monaten mehrfach keine Erbsubstanz des Virus (negative PCR) gefunden, so kann von einer früheren ausgeheilten Infektion ausgegangen werden.
Mit Hilfe einer Ultraschall-Untersuchung kann der Arzt die Größe und Beschaffenheit der Leber beurteilen.
Die Untersuchung einer Leberprobe (Biopsie) kann zuverlässige Aussagen über das Stadium der Krankheit (Stadium der Gewebsschädigung) treffen.

Verlauf und Symptome bei der Hepatitis C

Die Hepatitis C verläuft in der Akutphase meist (in 85 % der Fälle) ohne oder mit nur wenigen Beschwerden. Daher wird sie in diesem Stadium gar nicht festgestellt oder eher als grippaler Infekt wahrgenommen.
Mögliche Beschwerden nach einer Inkubationszeit von ein bis sechs Monaten sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Druck- oder Spannungsgefühl im rechten Oberbauch, möglicherweise auch ein Gewichtsverlust. Bei einigen Betroffenen kommt es zu einer Gelbsucht; der Urin kann sehr dunkel, der Stuhl lehmfarben sein.
Von der Akutphase gehen mehr als 50 bis 85 % der Infektionen durch die ständige Vermehrung des Virus in eine chronische Verlaufsform über. Meist verläuft die chronische Hepatitis C über viele Jahre mit nur leichten Symptomen. Bleibt die Infektion dann unbehandelt, so führt sie bei etwa einem Viertel der Patienten im nach etwa 20 Jahren zur Leberzirrhose (Schrumpfleber). Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für ein Leberzellkarzinom (Leberkrebs).
Neueste Untersuchungen bestätigen, dass die Hepatitis C Auswirkungen auf das Gehirn hat. Nervenstörungen (neurokognitive Störungen), Depressionen, Angststörungen und chronisches Erschöpfungs-Syndrom galten bislang als unerwünschte Nebenwirkung der Medikation. Nun hat man festgestellt, dass diese Symptome auch nach Absetzen der Medikation anhalten. [Hepatitis C und ihre Auswirkungen auf das Gehirn. Peters, Wehking. Trauma Berufskrankheiten 2012, Springer-Verlag]

Neuropsychiartische Symptome

Bei etwa jedem zweiten Patienten mit einer chronischen Hepatitis C kommen nach Beginn der Therapie neuropsychiatrische Symptome vor wie
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • chronisches Erschöpfungs-Syndrom

Bislang galten diese Symptome als unerwünschte Nebenwirkung der Medikamente. Nun aber hat man festgestellt, dass bei etwa einem Drittel der betroffenen Patienten diese Symptome auch nach Absetzen der Medikation anhalten.

Hepatitis-C-Virus als Auslöser neuropsychiatrischer Symptome?

Zwar gibt es Hinweise darauf, dass die antiviral wirkenden Medikamente auf Botenstoffe (das Neurotransmittersystem) im Gehirn wirken, aber als weitere Ursache für die neuropsychiatrischen Symptome wurde auch das Hepatitis-Virus selbst identifiziert. Forscher vermuten, dass das Hepatitis-C-Virus während der Phase, in der die Viren im Blut vorhanden sind (Virämiephase), auch ins Gehirn einwandert und dort zu den oben beschriebenen Symptomen führt. Mehrere Forschungsgruppen arbeiten an diesem Thema, um geeignete Vorkehrungen dagegen treffen zu können. Bis dahin sollen die bislang vorliegenden neuen Erkenntnisse bei der Therapie der Hepatitis C berücksichtigt werden.

Hepatitis C und ihre Auswirkungen auf das Gehirn. M.Peters, E.Wehking. Trauma Berufskrankheiten 27. Mai 2012, pp. 1-5, Springer-Verlag

Therapie

Ist die Diagnose gesichert, so soll schnell mit einer Behandlung begonnen werden.
Die Standardbehandlung besteht aus einer über 24 Wochen andauernden Interferon-Therapie. Bei einer chronischen Hepatitis C wird die Interferon-Therapie mit einem Virushemmendem Medikament über mehrere Monate ergänzt.
Ziel einer Hepatitis-C-Therapie ist, dass sechs Monate nach dem Therapieende weiterhin kein Virus mehr nachweisbar ist (HCV-RNA negativ). Ist dieser Punkt erreicht, gelten Patienten als geheilt. Spätere Rückfälle sind sehr selten. Abhängig von dem vorliegenden Virus besteht mit dieser Therapie eine Chance von etwa 50 bis 80 %, das Virus dauerhaft zu entfernen.
Wichtige Faktoren für einen Therapieerfolg sind Alter, Geschlecht, Menge der Viren, Dauer der Erkrankung, Körpergewicht und Schädigungsgrad der Leber. Zusätzliche Erkrankungen wie eine HIV- oder Hepatitis-B-Infektion können den Therapieerfolg erschweren.
Die Therapie der Hepatitis C dauert lange und kann mit zahlreichen unerwünschten Nebenwirkungen einhergehen. Daher werden der Nutzen und die möglichen Nebenwirkungen einer Therapie gemeinsam mit dem behandelnden Arzt sorgsam abgewogen.

Impfung

Eine Schutzimpfung gegen Hepatitis-C-Viren steht derzeit nicht zur Verfügung.

Vorbeugung

Jeglicher Kontakt mit infiziertem Blut ist zu vermeiden.
  • Verwenden Sie keine Spritzen, die zuvor von anderen verwendet wurden.
  • Verwenden Sie beim nasalen Drogenkonsum keine Aspirationsröhrchen, die zuvor von anderen verwendet worden sind.
  • Teilen Sie keine Rasierer, Zahnbürsten, Nagelscheren oder Nagelfeilen mit (möglicherweise) infizierten Personen.
  • Falls Sie ein Tattoo oder Piercing wünschen, suchen Sie nur solche Studios auf, die höchsten Wert auf Hygiene legen und alles Besteck nach jedem Kunden desinfizieren.
  • Benutzen Sie Kondome.
  • Medizinisches Personal sollte auf einen sorgfältigen Umgang mit spitzen oder scharfen Instrumenten achten.

Letzte Änderung: 14.09.2014