Zehn Jahre Vorsorgekoloskopie

[Januar 2013]

Eine Erfolgsstory
Im Jahr 2002 haben in Deutschland die gesetzlichen Krankenkassen zur Vorsorge des Darmkrebs die Koloskopie (Darmspiegelung) in ihren Leistungskatalog mit aufgenommen. Damit gehört Deutschland weltweit zum Vorreiter, was Darmkrebsvorsorge anbelangt. Mit etwa 70.000 neuen Fällen von Darmkrebs pro Jahr stellt er die häufigste bösartige Erkrankung in Deutschland dar. Etwa 28.000 der Erkrankten sterben jährlich an Darmkrebs (und damit fünf mal mehr als im Straßenverkehr). Damit steht der Darmkrebs bei den bösartigen Erkrankungen an 1. Stelle bezogen auf beide Geschlechter.

Echte Vorsorge
Dabei gibt es für den Darmkrebs eine echte Vorsorge. Aufgrund der langsamen Entwicklung über gut entdeckbare und vollständig heilbare Vorstufen (Polypen) sind die Möglichkeiten der Verhütung und Früherkennung für Darmkrebs deutlich besser als für andere Krebsarten. Und eben dies hat zur Einführung der Darmspiegelung (Endoskopie) zur Krebsvorsorge geführt.

Für wen ist die Darmspiegelung?
Anspruchberechtigt sind alle ab dem 55. Lebensjahr - d.h. für alle gesetzlich Krankenversicherten ab 55. Jahre überinmmt die Krankenkassen die Kosten für diese Untersuchung. Leider nehmen bisher allerdings nur etwa 3 Prozent der Anspruchsberechtigten pro Jahr diese Vorsorgeuntersuchung wahr.

Wo kann ich die Untersuchung durchführen lassen?
Jeder niedergelassene Facharzt, der berechtigt ist, Darmspiegelungen im Rahmen der Krebsvorsorge in seiner Praxis durchzuführen, muss hohe Anforderungen an Qualität und Hygiene erfüllen. Diese werden jährlich von einer Kommission der Kassenärztlichen Vereinigung und von unabhängigen Hygieneinstituten überprüft. Krankenhäuser sind dagegen für die Durchführung von Vorsorgedarmspiegelungen nicht zugelassen.

Datensammlung
Nach einer Vorsorgekoloskopie werden bundesweit alle medizinisch wichtigen Daten jeder einzelnen Darmspiegelung erfasst. Dabei muss der Arzt genau dokumentieren, wie weit er die Endoskopie durchgeführt hat, welche Befunde er dabei erhoben hat, ob Vorstufen von Darmkrebs vorhanden waren, ob er diese auch komplett entfernt hat und was die feingewebliche Untersuchung der abgetragenen Polypen ergeben hat. Zudem werden aufgetretene Komplikationen erfasst. Diese Dokumentationen werden im Zentralinstitut in Berlin gesammelt und ausgewertet. Inzwischen liegen die ersten Ergebnisse der Auswertung der letzten acht Jahre vor.

Datenauswertung
Aufgrund von Hochrechnungen für die seit 10 Jahren durchgeführte Vorsorgekoloskopie geht man davon aus, dass bis heute etwa 100.000 Fälle von Darmkrebs verhütet worden sind und etwa 47.000 Fälle von Darmkrebs frühzeitig in einem heilbaren Stadium erkannt wurden. Damit ist die Hoffnung von Ärzten und Krankenkassen, eine erfolgreiche Vorsorge für den Darmkrebs eingeführt zu haben, mehr als erfüllt.

Warum nehmen so wenige an den Untersuchungen teil?
Viele Menschen glauben noch heute, dass die Darmspiegelung unangenehm oder sogar schmerzhaft sei. In Hand eines entsprechend zugelassenen Spezialisten werden aber die Koloskopien in einer Art Kurznarkose durchgeführt, sodass der Patient die Untersuchung einfach "verschläft". Oder aber die Patienten scheuen die Darmspiegelung wegen der vorher notwendigen Vorbereitung, also der Reinigung des Darms. Inzwischen gibt es aber wohlschmeckende Lösungen, von denen maximal drei Liter getrunken werden müssen. Und wenn diese auf einen Nachmittag und den darauf folgenden Vormittag verteilt werden, stellt die Vorbereitung meistens auch kein echtes Problem dar. Des weiteren halten viele Menschen die Endoskopie für eine risikoreiche Untersuchung mit möglichen Komplikationen. Dabei liegt der Anteil ernster Komplikationen bei der Vorsorge bei ca. 0,03 Prozent für Darmwandverletzungen und bei 0,001 Prozent für schwere Kreislaufprobleme. Insgesamt ist das Risiko, durch eine Darmspiegelung ernsthafte Komplikationen zu erleiden, wesentlich geringer als das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.

Letzte Änderung: 01.10.2017

Autor
Dr. med. Gernot Schönfeld

Autor

Dr. med. Gernot Schönfeld

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie/Proktologie

Facharztzentrum für Gastroentrologie, Proktologie und Hepatologie am Hohenzollernpark

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