Speiseröhrenentzündung

Speiseröhrenentzündung (Refluxerkrankung, Refluxösophagitis)

Als Speiseröhrenentzündung oder Ösophagitis bezeichnet man eine Entzündung der Schleimhaut in der Speiseröhre (Ösophagus).

Symptome und Definition der Refluxösophagitis

Die gastroösophageale Refluxkrankheit, auch als Refluxösophagitis oder Rückflussentzündung bezeichnet, zeigt sich vor allem durch Beschwerden wie Sodbrennen oder Druckgefühl im mittleren Brust- oder oberen Bauchbereich, hervorgerufen durch verstärkte Magensäurebelastung der Speiseröhre.

Zu den häufigsten Symptomen der Speiseröhrenentzündung gehören:

  • Schmerzen, Brennen oder Druck, vorwiegend hinter dem Brustbein und im Oberbauch
  • Sodbrennen
  • saures Aufstoßen
  • Schluckbeschwerden
  • salziger oder seifiger Geschmack im Mund nach dem Aufstoßen
Meist treten die Beschwerden nach einer reichhaltigen Mahlzeit, kohlensäure- oder alkoholhaltigen Getränken oder in der Nacht auf. Bei einigen Betroffenen gelangt zurückfließender Magensaft bis in die Atemwege und kann dort zu Asthma und anderen chronischen Erkrankungen führen.
Im Zusammenhang mit einer Speiseröhrenentzündung können daher auch folgende Beschwerden stehen:
  • Mundgeruch
  • chronischer Husten
  • Heiserkeit
  • chronische Kehlkopfentzündung
  • Bronchialasthma
  • Zahnschmelzveränderungen

Wie entsteht eine Speiseröhrenentzündung?

Wird die Schleimhaut diesem Säurereiz oft oder dauerhaft ausgesetzt, entstehen kleine Verletzungen oder raue Stellen, die sich bald entzünden.
Bei anhaltender starker Entzündung kann diese Reizung zu einer Entzündungsreaktion führen, die tiefe Schäden der Schleimhaut (Gewschwüre=ulcera), Vernarbung und eine dadurch bedingte Einengung des Organs bewirken kann. Immer wiederkehrende Entzündungen können zudem zu einer Bindegewebsvermehrung (Fibrosierung) in der Ösophaguswand führen. Diese verliert hierdurch an Elastizität und kann sich nicht mehr richtig zusammenziehen oder entspannen, um Speisebrei in den Magen zu transportieren bzw. durchtreten zu lassen.

Häufigkeit

15-25 Prozent der Bevölkerung sind von einer Speiseröhrenentzündung betroffen, Refluxerkrankungen der Speiseröhre nehmen deutlich zu.
Etwa 30 Prozent der Betroffenen suchen ihren Arzt auf.
Bei etwa 60 Prozent liegt eine leichte Form der Refluxerkrankung vor, bei der endoskopisch keine Entzündung nachweisbar ist, die aber ähnliche Beschwerden verursachen kann wie die endoskopisch nachweisbaren, zum Teil schweren Entzündungen der Speiseröhre.

Ursachen

Die Refluxösophagitis als Rückflussentzündung der Speiseröhre durch sauren Magensaft tritt meist (in ca. 90 Prozent der Fälle von Refluxösophagitis) in Verbindung mit dem Vorliegen einer Hiatushernie (Zwerchfelllücke) auf.
Die Ursache für den Säurerückfluß besteht im häufigeren oder länger anhaltenden Erschlaffen des unteren Schließmuskels der Speiseröhre.
Neben dieser sehr häufigen Ursache von Speiseröhrenentzündungen gibt es auch seltene Ursachen einer Ösophagitis wie z. B. Virusinfektionen oder Infektionen mit Candida-Pilzen. Auch eine allergische Reaktion z. B. durch Nahrungsbestandteile kann in selten Fällen eine Ösophagitis auslösen (eosinophile Ösophagitis). Die letztgenannten Ursachen sind unabhängig vom Säurerückfluss.

Folgen

Bei etwa 10 Prozent der Fälle von länger andauernden Säurerückflussentzündungen entstehen in der Folge Veränderungen im unteren Bereich der Speiseröhrenschleimhaut. Dies bezeichnet man als Zylinderepithelmetaplasie, auch Barrett-Epithel oder Barrettösophagus genannt. Diese Veränderungen bergen die Gefahr, dass in wenigen Fällen (bei etwa 7-10 Prozent der Patienten mit Barrett-Epithel) im unteren Teil der Speiseröhre eine besondere Form des Speiseröhrenkrebses entstehen kann: das Barrett-Karzinom.
Daher ist eine regelmäßige endoskopische Überwachung von Patienten mit diesen Risikoveränderungen notwendig.

Diagnose und Untersuchungsverfahren

Die Verdachtsdiagnose wird anhand der Beschwerden durch den Arzt gestellt. Der behandelnde Arzt trifft mit dem Patienten aufgrund der Beschwerden die Entscheidung über weiterführende Maßnahmen und Therapie.
Die wichtigste diagnostische Maßnahme ist die Speiseröhren- und Magenspiegelung (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie), bei der auch Gewebeproben entnommen werden können, und in einigen Fällen auch die Säuremessung in der Speiseröhre (ph-Metrie). Nur eine Gewebeprobe ist geeignet, zwischen (harmloser) Umwandlung der Schleimhaut und (gefährlicher) bösartiger Veränderung der Schleimhaut zu unterscheiden. Beim Vorliegen von nur kleinen Schleimhautbezirken, die im Sinne dieser Epithelmetaplasie umgewandelt sind, ist ein Krebsrisiko nur relativ gering. Für Epithelmetaplasien, die den gesamten Teil der unteren Speiseröhre betreffen (Barrett-Ösophagus), ist dieses Risiko dagegen höher. Endoskopische Kontrollen sollten daher in individuell unterschiedlichen Abständen erfolgen.

Therapie

In der Regel ist die Speiseröhrenentzündung gut zu behandeln. Nur in sehr seltenen Fällen ist ein operativer Eingriff notwendig.
  • Auslöser meiden
    Die Behandlung einer Speiseröhrenentzündung besteht vor allem darin, Auslöser und weitere Reize zu meiden. Meist hilft es, ab dem späten Nachmittag keine feste Nahrung mehr zu sich zu nehmen. Auch der Verzicht auf Säure produzierende und reizende Speisen wie Süßspeisen, scharfes Essen, kurz gebratene Nahrungsmittel und Alkohol mindert meist die Beschwerden. Falls die Entzündung durch aufsteigenden Magensaft entstanden ist, kann das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper die Beschwerden lindern.
  • Medikamentöse Therapie
    Häufig helfen Medikamente, so genannte Säurebinder (Antazida) oder Protonenpumpenhemmer, die die Säureproduktion der Magenschleimhaut verringern. Die Säureblocker reduzieren zwar die Bildung der Magensäure, nicht aber den Rückfluss. Oft sind sehr niedrige Dosierungen dieser Medikamente ausreichend, in einigen Fällen sind höhere und sehr selten sehr hohe Dosen dieser Medikamente erforderlich. Dann fließt zwar immer noch Magensaft zurück in die Speiseröhre, dieser ist aber nicht mehr so sauer und schädigt die Speiseröhre daher nicht mehr. Es wird vermutet, dass sich durch eine konsequente Behandlung, die zur Beschwerdefreiheit führt, auch das Krebsrisiko senken lässt; nachgewiesen ist das bisher nicht. Da bei der Rückflusskrankheit ein „mechanischer Defekt“ vorliegt, der durch unzureichende Wirkung des Verschlussmechanismus den Säurerückfluss bedingt und die Refluxösophagitis unterhält, ist in den allermeisten Fällen nach Reduzierung oder Auslassen der Behandlung auch mit neuerlich auftretenden Rückflussbeschwerden zu rechnen. Daher ist die Behandlung der Refluxösophagitis in der Regel oft langfristig erforderlich.
  • Operativer Eingriff
    Wenn eindeutig ein Defekt des Verschlussmechanismus die Ursache der Speiseröhrenentzündung ist, kann man in einigen Fällen durch eine minimalinvasive Operation den entzündungsauslösenden Rückfluss des Magensafts unterbinden. Hierbei wird versucht, durch eine operative Wiederherstellung des Verschlussmechanismus die Beschwerden zu lindern. Eine Entscheidung zur operativen Behandlung der Refluxösophagitis ist abhängig von den Verhältnissen im Einzelfall zu treffen. Die postoperativen Ergebnisse sind im kurzfristigen Verlauf günstig; im Zeitraum von mehr als 5 Jahren allerdings weniger gut, da nach dieser Zeit ein gewisser Teil der Patienten wieder Protonenpumpenhemmer einnehmen muss, um beschwerdefrei zu sein.
    Wurde die Speiseröhre durch verschluckte Gegenstände gereizt, müssen diese umgehend entfernt werden. Bilden sich Narbengewebe oder Gewebeverdickungen, kann es nötig sein, diese durch eine Operation zu entfernen.

Tipps

Wann ist der Arztbesuch unbedingt ratsam?
  • Die Beschwerden sind trotz einwöchiger Einnahme von Antazida noch nicht besser.
  • Der Schmerz strahlt bis in die Arme aus.
  • Der Speisebrei gelangt bis in den Mund (Regurgitation).
  • Die Refluxbeschwerden sind langanhaltend (chronisch).
  • Die Symptome nehmen zu.
  • Sodbrennen oder saures Aufstoßen bei Kindern.
  • Wenn Schluckbeschwerden auftreten.
Was kann ich selbst tun, damit die Beschwerden verschwinden?
  • Gewichtsnormalisierung
  • Kleine, fettarme Mahlzeiten
  • Keine Mahlzeiten direkt vor dem Schlafen
  • Keine Schokolade oder andere Süßspeisen
  • Kein Nikotin
  • Keine säurehaltigen Getränke
  • Kaffee nur mit Milch
  • Statt Kaffee eher Tee
  • Keinen Alkohol
  • Keine kohlensäurehaltigen Getränke
  • Nach dem Essen 30 Minuten spazieren gehen
  • Schlafen mit bis zu 45° erhöhtem Oberkörper und in Rechtsseitenlage
Achtung: Die Beschwerden können verstärkt werden durch Bücken, Pressen, Rückenlage, Anstrengungen

Letzte Änderung: 25.11.2014

Dr. med. Josef Fischer

Autor

Dr. med. Josef Fischer

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie

Gastroenterologische Schwerpunktpraxis

Isartorplatz 4

80331 München

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