Helicobacter pylori

Helicobacter pylori (H. pylori oder Helicobacter p.) ist ein gram-negatives Bakterium, das im Gegensatz zu den meisten anderen Bakterien in der Lage ist, auch im sauren Umfeld des menschlichen Magens zu siedeln.

Eine Helicobacter-pylori-Infektion gilt als häufigste Ursache einer dauerhaften Entzündung der Magenschleimhaut und wird für verschiedene andere Erkrankungen des Magens und der Speiseröhre verantwortlich gemacht. Aber neben den krank machenden kann das Bakterium auch einige positive Effekte im Körper haben.

Für die Entdeckung des Bakteriums Helicobacter pylori und seiner Rolle bei der Entstehung der chronischen Magenentzündung erhielten Robin Warren und Barry Marshall 2005 den Nobelpreis für Physiologie.

Häufigkeit

Weltweit sind bei etwa der Hälfte der Weltbevölkerung über 40 Jahre Helicobacter-pylori-Bakterien im Magen-Darm-Trakt zu finden. Allerdings entwickeln nur etwa 10-15% der Betroffenen die bekannten Symptome.

Die Zahl der Betroffenen unterscheidet sich in den Industrienationen und den Entwicklungsländern deutlich. So sind z.B. in England etwa 13% der Bevölkerung betroffen, währen in Korea 81% den Keim in sich tragen.

Bei den Infizierten ist eine deutliche altersabhängige Zunahme zu erkennen – in den Industrienationen etwa 1% pro Lebensjahr. In Deutschland sind etwa 3% der Kinder im Alter von 4 Jahren und etwa 48% der Erwachsenen betroffen (< 30 Jahren = ca. 22% und > 65 Jahren ca. 80%).

Allerdings nimmt die Zahl der Helicobacter-p.-Infektionen in Deutschland und anderen Industrienationen von Jahr zu Jahr ab.

Bei etwa 75% der Menschen, bei denen ein Magengeschwür, und bei ca. 99% derer, bei denen ein Zwölffingerdarmgeschwür festgestellt worden ist, kann eine Infektion mit Helicobacter pylori nachgewiesen werden.

Wie der Keim weitergegeben wird, ist noch nicht ganz klar. Aber es scheint, dass die Übertragung von Mensch zu Mensch und meist durch engen familiären Kontakt von der Mutter auf das Kind stattfindet.

Wie kann Helicobacter pylori im Magen überleben?

Magensäure mit ihrem pH-Wert zwischen 1 und 1,5 ist eine sehr starke Säure. Ein so saures Milieu wirkt für die meisten Bakterien tödlich (bakterizid).

Das H. pylori-Bakterium produziert ein Enzym, das Säuren neutralisieren kann. In seinem Umfeld – an der Magenwand - schafft es so einen säurefreien Bereich, in dem es geschützt überleben kann.

Unser Immunsystem reagiert zwar auf die Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori, doch kann es die Bakterien nicht effektiv bekämpfen. Die ständige Aktivität des Immunsystems wird für verschiedene Erkrankungen des Magens und der Speiseröhre verantwortlich gemacht.

Symptome der Helicobacter-pylori-Infektion

Durch die ständige Immunreaktion auf das Bakterium im Magen können Symptome auftreten wie:

  • Völlegefühl
  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Mundgeruch
  • Aufstoßen
  • Schmerzen im Oberbauch

Aber häufig haben Menschen, in deren Magen das Helicobacter p. nachgewiesen wird, auch gar keine Beschwerden.

Mögliche Erkrankungen als Folge einer Helicobacter-pylori-Infektion

Folgende Erkrankungen können durch die ständige Immunreaktion auf das Bakterium ausgelöst werden:

  • Akute und chronische Magenschleimhautentzündung (Gastritis),
    die man als Typ-B-Gastritis (B für bakteriell) bezeichnet. Häufig verläuft die Magenschleimhautentzündung nach der Infektion mit dem Bakterium akut. Sie kann sich aber auch zu einer chronischen Magenschleimhautentzündung entwickeln.
  • Tumore im Magen-Darm-Bereich
    Durch eine länger anhaltende Besiedelung können sich Entzündungen wie Zwölffingerdarmgeschwüre, Ulcus ventriculi, Ulcus duodeni aber auch Magenkarzinome und sogenannte MALT-Lymphome im Magen-Darm-Bereich entwickeln. Man nimmt an, das dass das Risiko ein Magenkarzinom zu entwickeln um 20 bis 40 % durch eine Helicobacter pylori Gastritis steigt.

Die positiven Folgen einer Infektion für das Immunsystem

Eine frühzeitige Infektion des Magens mit Helicobacter pylori kann die Zusammensetzung der Darmflora sowie die Immunabwehr der Lunge verändern sowie Einfluss auf den Hormonhaushalt nehmen.

  • Seltener Asthma und Allergien
    2011 haben Wissenschaftler der Universität Zürich und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Tierversuchen nachgewiesen, dass mit Helicobacter-pylori-infizierte wenige Tage alte Mäuse eine immunologische Toleranz gegenüber dem Bakterium entwickelten und in der Folge auch auf starke Asthma auslösende Allergene nicht oder nur geringfügig reagierten.
    2016 erforschte ein Team von Wissenschaftlern aus Graz und New York das komplexe Zusammenwirken von Helicobacter, Mikrobiom und Immunsystem beim Menschen und stellten fest, dass das Helicobacter Bakterium u.a. die Bildung des Hormons Ghrelin anregt, welches nicht nur den Appetit steigert, sondern auch das Immunsystem beeinflusst, so dass Betroffene besser vor Allergien und Asthma geschützt sind.
    Der amerikanische Mikrobiologe Martin Blaser vom NYU Langone Medical Center in New York stellte fest, dass Kinder, die vor dem 15. Lebensjahr mit einer aggressiven Variante von H. pylori infiziert waren, zu 40 Prozent seltener an Asthma erkrankten. Er vermutet, dass durch die abnehmende Infektionsrate von H. pylori in den Industrienationen die Häufigkeit von allergischen Erkrankungen zunimmt.
    Andere Untersuchungen deuten auf eine schützendeWirkung gegen Erkrankungen der Speiseröhre oder des Darms hin.
  • Darmflora verändert sich
    Überrascht war ein Forscherteam, dass die Helicobacter-p.-Infektion zu Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmflora führt, die den Darm und die Speiseröhre auch schützen. Martin Blaser aus New York stellte fest, dass Menschen ohne Helicobacter häufiger an Entzündungen der Speiseröhre oder Reflux-Krankheiten leiden und, dass sie häufiger an Speiseröhren-Krebs erkranken. [DLF: Helicobacter: ein Bösewicht, der auch Gutes tut]
    Dank des zunehmenden Verschwindens des Bakteriums, so Blasius, sterben weniger Menschen an Magenkrebs, aber dafür leiden auch mehr an Sodbrennen und Speiseröhrenkrebs. [Martin J. Blaser: „Antibiotika overkill – So entstehen die modernen Seuchen“, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2017, ]
  • Anreicherung von T-Zellen in der Lunge
    Bei weiteren Forschungen wurde festgestellt, dass eine Infektion mit Helicobacter pylori zu einer Anreicherung bestimmter T-Zellen in der Lunge führt, einer Gruppe von weißen Blutzellen, die der Immunabwehr dienen.

Diagnose

Eine Infektion mit dem Bakterium H. pylori kann mit Hilfe verschiedener invasiver und nicht-invasiver Verfahren diagnostiziert werden. Sie unterscheiden sich in ihrer Genauigkeit, dem notwendigen Aufwand und den Risiken.

  • Invasive Diagnoseverfahren
    • Magenspiegelung (Gastroskopie)
    • Gewebeuntersuchung (Biopsie)
    • Bakterienkulturen
  • Nicht-invasive Diagnoseverfahren
    • Blutuntersuchungen
    • Speichel-, Urin- und Stuhluntersuchungen
    • Atemtest

Invasive Diagnoseverfahren für H.-pylori-Infektionen

  • Magenspiegelung (Gastroskopie)
    Bei einer Magenspiegelung kann der Arzt Entzündungsreaktionen im Magen erkennen. Darüber hinaus kann das Vorhandensein von Magengeschwüren Hinweise auf eine Infektion mit Helicobacter pylori geben.
  • Gewebeuntersuchung (Biopsie)
    Während einer Magenspiegelung können Gewebeproben von entzündeten Bereichen der Magenschleimhaut entnommen werden, die dann unter dem Mikroskop auf das Vorliegen von Helicobacter pylori untersucht werden.
    Beim so genannten ­Helicobacter-Urease-Test (HUT oder CLO-Test) wird eine Gewebeprobe in eine harnstoffhaltige Farbindikatorlösung gegeben. Die Helicobacter-Bakterien verwandeln den Harnstoff in diesem Testmedium in Ammoniak und Kohlendioxid und färben den Indikator rot. Dieser Test wird auch Bedside-Test genannt, weil das Testergebnis nach wenigen Minuten bis max. 24 Stunden ablesbar ist.
    Der Helicobacter-Urease-Test kann durch verschiedene Medikamente (u.a. Protonenpumpeninhibitoren (PPI) und Antibiotika verfälscht werden.
  • Bakterienkulturen
    Aus den bei einer Gastroskopie entnommenen Gewebeproben können im Labor Bakterien gezüchtet und so nachgewiesen werden.

Nicht-invasive Diagnoseverfahren für H.-pylori-Infektionen

  • Blutuntersuchungen
    Im Blut können Antikörper, die das Immunsystem gegen das Bakterium gebildet hat, nachgewiesen werden. Eine solche Untersuchung kann einen Hinweis auf das Ausmaß der Infektion mit Helicobacter pylori geben. Antikörper im Blut können keine Aussage darüber machen, ob eine akute Infektion vorliegt oder diese schon vor längerer Zeit stattgefunden hat.
  • Speichel-, Urin- und Stuhluntersuchungen
    Antikörper können auch in Speichel-, Urin- und Stuhlproben nachgewiesen werden. Auch hier ist der alleinige Nachweis von Antikörpern kein sicherer Beweis für eine akut vorliegende Infektion.
  • Atemtest
    Beim C13-Atemtest (13C-Harnstoff-Atemtest) nutzt man den Stoffwechsel des Bakteriums, um Helicobacter pylori im Magen nachzuweisen. Vor Beginn des Tests muss der Patient mindestens vier Stunden nüchtern sein. Dann trinkt er einen Fruchtsaft, der mit markierten Harnstoff (13C-Harnstoff) versetzt ist. Ist der Patient mit Helicobacter pylori infiziert, setzt das Bakterium im Magen den Harnstoff u.a. in Kohlenstoffdioxid (CO2) um, das ausgeatmet und, weil es markiert ist, so nachgewiesen werden kann.

Eine Diagnostik, so lautet die Empfehlung vieler Ärzte, sollte immer nur dann eingeleitet werden, wenn daraus auch eine therapeutische Konsequenz erwächst.

Therapie der Infektion mit H. pylori

Für die meisten Menschen ist eine Infektion mit Helicobacter-p.-Bakterien harmlos und muss auch nicht notwendig behandelt werden.

Führen die Helicobacter-p.-Bakterien aber zu Entzündungen, kann die Infektion mit einer Kombination verschiedener Medikamente behandelt werden.

Die neue S2K-Leitline Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit vom 2016 [https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-001l_S2k_Helicobacter-pylori-gastroduodenale_Ulkuskrankheit_2018-08.pdf] empfiehlt als Therapie die klassische Tripeltherape und alternativ eine Quadrupeltherapie mit oder ohne Bismutsalz (auch Wismut oder Wismuth).

Gemeinsam haben diese Therapien, dass sie aus einer Kombination aus Antibiotika, die auf Bakterien abtötend wirkend, und aus einem magenschützenden Medikament (Protonenpumpeninhibitoren (PPI)) bestehen.

Therapieschema Medikamente
Italienische Tripeltherapie Protonenpumpeninhibitor (PPI), Clarithromycin, Metronidazol
Französische Tripeltherapie Protonenpumpeninhibitor (PPI), Clarithromycin, Amoxicillin
Quadrupeltherapie
Kombinationstherapie aus einem Protonenpumpenhemmer und einer Bismut-Triple-Therapie
Protonenpumpeninhibitor (PPI), Bismutsalz, Tetracyclin, Metronidazol
Kombinierte Vierfachtherapie Protonenpumpeninhibitor (PPI), Clarithromycin, Amoxicillin, Metronidazol

Eine Helicobacter-pylori-Therapie wird auch als Eradikationstherapie bezeichnet und dauert 7 bis 14 Tage. Nach Ablauf dieser Zeit wird erneut auf das Vorhandensein von Helicobacter pylori im Magen-Darm-Trakt getestet, zum Beispiel mit Hilfe des 13C Harnstoff -Atemtests.

Da eine Helicobacter-pylori-Infektion als ein wesentlicher Risikofaktor für ein Magenkarzinom und andere Krebserkrankungen der Speiseröhre gilt, empfiehlt die Leitlinie Risikopatienten, also u.a. Patienten, die durch die Infektion eine Gastritis entwickelt haben, eine leitliniengerechte Therapie als Krebsprophylaxe.

Fazit

Eine Infektion mit Helicobacter pylori kann ein Leben lang oder lange unbemerkt bleiben, da sich Folgen wenn überhaupt oft erst nach einiger Zeit bemerkbar machen. Bei Menschen, die häufig unter Beschwerden des Magen-Darm-Trakts leiden, empfiehlt es sich, auf das Vorhandensein der Bakterien zu testen und dann bei einem Befall mit Helicobacter-p.-Bakterien diese zu behandeln. So können die Beschwerden der Infektion häufig beseitigt und Spätfolgen effektiv verhindert werden.

Prävention

Die S2k-Leitlinie Helicobacter pylori (aktualisiert 2016) besagt, dass es keine anerkannten Präventionsstragegien zur Verhinderung einer H.-Pylori-Infektion gibt. Eine wirksame Impfung stehe zurzeit nicht zur Verfügung.

Helicobacter-pylori-Selbstest

Es werden heute verschiedene Helicobacter-Selbsttests angeboten, die das Blut auf Helicobacter-pylori-Antikörper testen und zu Hause angewendet werden können. Sie gelten als 70-90% zuverlässig. Mit Hilfe einer Lanzette wird aus der Fingerkuppe Blut entnommen und in eine Testkassette gegeben. Nach Zugabe eines Verdünnungsmittels ist innerhalb von 10 Minuten das Testergebnis (ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest) ablesbar.

Besteht Verdacht auf eine Infektion mit Helicobacter pylori als Ursache von gastroenterologieschen Beschwerden, so ist ein Besuch beim Arzt empfohlen.

Letzte Änderung: 06.05.2019

Autor
Dr. med. Jens  Müller-Ziehm

Autor

Dr. med. Jens Müller-Ziehm

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterlogie

Falkenstr. 27

30449 Hannover

Fon:

'http://gastro-han.de'