Immunsuppressiva

Was sind immunsuppressive Medikamente?

Immunsuppressiva sind Medikamente, die die Immunreaktionen vermindern bzw. unterdrücken. Sie werden u. a. in der Transplantationsmedizin, aber auch bei der Behandlung von Krankheiten mit fehlerhafter Immunreaktion, wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn eingesetzt..

Wie wirken Immunsuppressiva?

Wirkstoffe der so genannten Immunsuppressiva sind u. a.
  • Azathioprin (AZA)
    Azathioprin blockiert die Herstellung von DNA und hemmt damit die Vermehrung immunkompetenter Zellen und folglich die Immunantwort. Durch die Verabreichung von Azathioprin bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn kann ein Rückgang der Krankheitsrückfälle (Rezidive) von 60 bis 70 Prozent bewirkt werden. Da es beim Absetzen der immunsuppressiven Therapie häufig zu einem Rezidiv kommt, ist es empfehlenswert, das Medikament über einen längeren Zeitraum einzunehmen. Neueren Untersuchungen zufolge kann erst nach 4 Jahren Behandlung mit Azathioprin eine deutliche Verminderung des Rückfallrisikos als gesichert gelten.
  • Mercaptopurin (auch 6-Mercaptopurin oder 6-MP)
    Mercaptopurin wird in höheren Dosen als Zytostatikum (Krebstherapie) und in niedrigeren Dosen als Immunsuppressivum eingesetzt. Wie Azathioprin hemmt es die Vermehrung immunkompetenter Zellen und folglich die Immunantwort.
  • Methotrexat (MTX)
    Bei Wirkverlust oder Unverträglichkeit gegenüber Azathioprin und/oder Mercaptopurin oder insbesondere bei Gelenkbeteiligung kann MTX insbesondere bei Morbus Crohn eingesetzt werden. Es hemmt den Stoffwechsel der Folsäure und damit die Vermehrung von immunkompetenten Zellen und wirkt so entzündungshemmend. Wegen vieler möglicher Nebenwirkungen und anderen Alternativen wird Methotrexat heute nur noch in Ausnahmefällen in der Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankungen eingesetzt.
  • Cyclosporin und Tacrolimus
    Diese sogenannten Calcineurininhibitoren sind zur Therapie chronisch entzündlicher Darmerkrankung nicht zugelassen und werden auch wegen potenter Nebenwirkungen und notwendiger engmaschiger Kontrolluntersuchungen nur in Ausnahmefällen bei fehlenden Alternativen eingesetzt.
Eine immunsuppressive Therapie ist häufig erfolgreich, allerdings tritt die Wirkung und der Erfolg der Therapie erst verzögert ein, d. h. nach mehreren Wochen bis teilweise Monaten. Unter einer erfolgreichen immunsuppressiven Therapie können Steroide reduziert bzw. ganz abgesetzt werden. Immunsuppressiva werden in der Regel über einen langen Zeitraum angewendet, um langfristig ein Wiederaufflammen der Entzündung zu verhindern und die Erkrankung kontrollieren zu können.

Wann werden Immunsuppressiva eingesetzt? (Indikation)

Immunsuppressiva werden bei einer hohen Entzündungsaktivität, bei Patienten mit einer Kortisonunverträglichkeit oder –abhängigkeit und bei mangelnder Wirksamkeit des Kortisons eingesetzt. Sie werden bei einer CED ergänzend oder als Alternative zu Steroiden (Kortison) gegeben. Eine immunsuppressive Therapie hat gegenüber Kortison ein geringeres Nebenwirkungsprofil bei allgemein guter Wirksamkeit. Im Unterschied zu Kortison sind Immunsuppressiva zur Langzeittherapie bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen geeignet.

Unerwünschte Wirkungen der Immunsuppressiva

Wie bei jeder wirksamen Therapie kann es auch unter Immunsuppressiva zu unerwünschten Wirkungen kommen. Zu den seltenen unerwünschten Wirkungen zählen allergische Reaktionen, Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Veränderungen der Leber und des Blutbildes. Da die Immunabwehr durch die Medikamente effektiv unterdrückt wird, ist während der Einnahme der Immunsuppressiva mit einer erhöhten Infektanfälligkeit zu rechnen. Patienten, die Azathioprin oder Mercaptopurin einnehmen, sollten direkte Sonneneinstrahlung meiden oder sich entsprechend mit hohem Lichtschutzfaktor schützen. Regelmäßige Kontrollen durch einen Hautarzt sind anzuraten.

Handelsnamen

  • Azathioprin (AZA)
    Azafalk®, Azaimun®, Colinsan®, Imurek®, Zytrim® und div. Generika
  • Mercaptopurin (auch 6-Mercaptopurin oder 6-MP)
    Puri Nethol®
  • Methotrexat (MTX)
    Lantarel®
  • Cyclosporin und Tacrolimus
    Sandimmun®, Cicloral®, Prograf®

Letzte Änderung: 30.11.2021

Autoren
Dr. med. Wilfred Landry

Autor

Dr. med. Wilfred Landry

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie

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Dr. med. Michael Mroß

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Dr. med. Michael Mroß

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