Würmer als Therapie

Die Colitis ulcerosa und der Morbus Crohn sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED), deren Ursache(n) nicht eindeutig geklärt ist/sind. Deshalb gibt es bis heute keine ursächliche Therapie und auch keine definitive Heilung. Die derzeit verwendeten Medikamente sollen den Entzündungsprozess eindämmen, was in vielen, aber nicht allen Fällen gelingt.

In der Krankheitsentstehung der CED spielen sowohl genetische Faktoren als auch Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle, die zu einer fehlerhaft überschießenden Abwehrreaktion des Körpers gegen im Darm befindliche Bakterien führt und damit eine Entzündung der Darmwand auslöst.

Häufigkeit der CED in Abhängigkeit der Hygiene

trichuris1.gif Weltweit treten die CED hauptsächlich in den entwickelten Industriestaaten mit hohem Hygienestandard auf. In den Entwicklungsländern Afrikas und Südamerikas hingegen, in denen es eine hohe Durchseuchung der Bevölkerung mit Parasiten des Magen-Darm-Traktes gibt, stellen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa seltene Erkrankungen dar.

Untersuchungen an Mäusen und Ratten

Verschiedene Untersuchungen an Mäusen und Ratten mit unterschiedlichen Parasiten zeigten, dass eine entzündliche Darmerkrankung durch Parasiten verhindert bzw. behandelt werden kann.

Erste Therapieversuche mit den Eiern des Schweinepeitschenwurms

trichuris2.jpg 1999 stellte Robert W. Summers von der Universität Cleveland in den USA erstmals Patienten mit bis dahin therapieresistentem M. Crohn vor. Drei Patienten hatten 2500 Wurmeier des Schweinepeitschenwurms (Trichuris suis) zu ihrer entzündungshemmenden Medikation erhalten. Die mikroskopisch kleinen Wurmeier werden mit Flüssigkeit getrunken. Im Dünndarm entwickeln sie sich zu den wenige Millimeter großen Würmern, die bis in den Dickdarm wandern und nach wenigen Wochen mit dem Stuhlgang ausgeschieden werden. Dabei können sie sich im Menschen nicht vermehren und auch nicht nach dem Ausscheiden andere Menschen befallen. Der Gesundheitszustand der so behandelten Patienten besserte sich deutlich. Nachfolgende Untersuchungen bestätigten den positiven Effekt. Ca. 80 % der Patienten mit Morbus Crohn und ca. 45 % der Patienten mit Colitis ulcerosa profitierten von dieser Therapie. Nebenwirkungen wurden bisher nicht bekannt. Offenbar kann das Vorhandensein der Würmer die unkontrollierte Entzündungsreaktion im Darm bei Patienten mit CED verhindern. Allerdings wurden diese Untersuchungen bisher nur an sehr wenigen Patienten durchgeführt. Der endgültige Beweis einer effektiven und risikoarmen Therapie stand in den 1990er Jahren noch aus. Um diesen Beweis zu erbringen und den Patienten eine neue Therapiemöglichkeit anzubieten, wird wurde eine aussagekräftige Studie mit einer repräsentativen Patientenzahl in Deutschland vorbereitet, die an spezialisierten Zentren den Nutzen und die Sicherheit dieser neuartigen Therapie überprüfen sollte. Bis die Ergebnisse der Studie bekannt sind, ist die Therapie mit dem Schweinepeitschenwurm in Deutschland nicht zugelassen.

Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Peter-H. Clausen. Abbildung links: Trichuris sp., Ei; Abbildung rechts: Trichuris spp., Adult

2014: Neue Studie zur Therapie des Morbus Crohn mit Wurmeiern

Im Oktober 2014 wurde dann eine neue Studie zur „Wirksamkeit und Sicherheit der Wurmeier des Schweinepeitschenwurms (Trichuris suis) bei der Behandlung des moderat aktiven bis mittelschweren Morbus Crohn“ im United European Gastroenterology Journal veröffentlicht.

Die bisher bekannten Daten zur Therapie des Morbus Crohn mit Eiern des Schweinepeitschenwurms hatten gezeigt, dass eine Dosierung von 2.500 lebensfähige Eier des Schweinepeitschenwurmes (Trichuris suis TSO) alle drei Wochen für die Dauer von 12 Wochen bei 19 von 29 Patienten (65, 5%) mit aktivem Morbus Crohn zu einer klinischen Remission führten mit einem CDAI (Crohn's Disease Activity Index) von ≥150.

Die nun veröffentlichte erste randomisierte, doppelblinde, multizentrische, placebokontrollierte, Phase II-Studie, untersucht die Wirksamkeit und Sicherheit verschiedener Dosierungen von Wurmeiern gegenüber Placebo bei der Behandlung von moderat aktivem bis mittelschwerem Morbus Crohn.

Die Patienten waren weder steroidabhängig, noch nahmen sie Immunsuppressiva ein. Sie hatten einen CDAI von 220 bis 350 und biochemische Entzündungszeichen.

Die Patienten erhielten entweder 250, 2.500 oder 7.500 Wurmeier oder regelmäßig alle zwei Wochen für 10 Wochen ein Placebo.

Primärer Endpunkt war die klinische Remission mit einem CDAI ≥150 in Woche 12.

Ergebnisse der Studie von J. Schölmerich et. al.

252 Patienten (154 Frauen, Durchschnittsalter: 37 Jahre, Durchschnitts CDAI: 269) waren in die Studie eingeschlossen. Es gab weder schwerwiegende unerwünschte Arzneimittelwirkungen noch gab die Einnahme der Wurmeier einen Anlass für Sicherheitsbedenken.

Fazit der Studie

Die Verabreichung von 250 bis 7.500 Wurmeiern alle zwei Wochen über 12 Wochen war sicher und zeigte eine Dosis-abhängige Immunreaktion. Allerdings zeigte keine der Dosierungen gegenüber Placebo eine klinisch relevante Wirkung für die Einleitung der klinischen Remission oder eine Reaktion auf den milden bis mäßigen aktiven Morbus Crohn.

Quelle: Efficacy and Saftey of Trichuris Suis Ova for Treatment of Mildly-to-Moderately Active Crohn's Disease: A Randomised, Double-Blind, Placebocontrolled, Phase II Study. J. Schölmerich et all. 2014

Letzte Änderung: 01.10.2017

Dr. med. Michael Mroß

Autor

Dr. med. Michael Mroß

Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie

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